Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 452 / 494

 

vor den in diesen Geisternächten umherschwärmenden überirdischen Wesen. Später war nur noch der letzte Donnerstag vor Weihnachten als Klopftag, hier »Anklopfet«, von Bedeutung. Ähnlich wie am Nikolaustag zogen auch an diesem Tage namentlich die Kinder ärmerer Leute bettelnd im Dorfe umher. Auch wurden die Kinder von ihren Paten mit Brezeln und »Zöpfen« beschenkt.

c) Weihnachtsfest. Am Weihnachtsfest trieben die Leute schon in aller Frühe, oft noch in der Dunkelheit, ihr Vieh zur Tränke. Einer suchte dem anderen zuvorzukommen. Nach dem Volksglauben sollen nämlich die Brunnen um diese Zeit Wein gegeben haben, und das Vieh, das davon getrunken hatte, das ganze Jahr schön und gesund geblieben sein.

Als Weihnachtsbaum diente früher neben dem Tannenbaum ein Linden oder Kirschbaumzweig, der, am Barbaratag (drei Wochen vor Weihnachten) geholt und ins Wasser gestellt, bis zum Christfest ausgeschlagen hatte.

d) Stephanus- oder Johannistag. Am Stephanus- oder Johannistag rechneten die Geschäftsleute unter sich und mit ihren Kunden für die im abgelaufenen Jahr hindurch gelieferten Waren und geleisteten Arbeiten ab.

e) Silvesterabend. Am Silvesterabend pflegte früher der Nachtwächter mit einigen Freunden vor den Häusern das Neujahr anzusingen. Sie wurden dafür mit Naturalien aller Art und auch mit Geld beschenkt.

f) Palmsonntag. Am Palmsonntag tragen die katholischen Kinder manchmal ziemlich große und mit Bändern geschmückte Palmzweige zur Kirche, um dieselben weihen zu lassen. Nach erfolgter Weihe werden dieselben im Garten so lange aufgesteckt, »bis es zum erstenmal donnert.« Dann werden die Zweige in den Stall, einzelne Kätzchen davon sogar auch in das Bett gebracht, um jede Krankheit von Menschen und Tieren fernzuhalten. Die Kinder erhalten von ihren Paten eine Brezel.

g) Osterfest. Am Osterfest erhalten die Kinder wie überall Süßigkeiten und Eier. Sehr beliebt war bei den Kindern das Aufkippen der Eier. Wessen Ei beim Zusammenstoßen der Spitzen einen Sprung oder ein Loch erhielt, hatte verloren. Er mußte sein Ei dem Sieger abtreten. Auch das Eierwerfen war bekannt. Von zwei Kindern hielt das eine ein Ei in der Hand, während das andere ein Geldstück in dasselbe zu werfen versuchte. Gelang es ihm nach dreimaligem Wurf, so erhielt er das Ei, mußte aber das Geldstück dem anderen Teil überlassen. Bei der katholischen Bevölkerung kennt man auch die sogenannte Ostertaufe, d.h. das Weihen der Fluren mit Wasser.

h) Erster Mai. In der ersten Mainacht wird vielfach auch heute noch mutwilliger Scherz getrieben. Im Freien stehengebliebene Geräte werden von jungen Leuten heimlich versteckt, Wagen abgebrochen und die einzelnen Teile überall hingeführt. Auch stecken die ledigen Burschen ihren Mädchen »Maien« aufs Haus.

i) Himmelfahrtstag. Am Himmelfahrtsfest wurden, möglichst schon vor Son-


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]