Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 449 / 494

 

nach einigen Wochen vom Forstamt durch Jäger und Holzmacher eine Treibjagd abgehalten. Als Förster Ebert den Stier sichtete, habe sein Besitzer, der sich am Jagdzug beteiligte, laut aufgeschrieen und sei im Nu auf die nächste Tanne geklettert. Sorgsam und vorsichtig hielt er sich in den Ästen verborgen. Erst als Ebert berichtete, daß das Ungetüm erschossen sei, kam Herr H. erleichtert von seinem Hochstand herab. Der Stier wurde ausgehauen und das Fleisch als Wildbret verkauft. Damals war Oberförster Fröhner Vorstand des Forstamts Oberkochen. Als sein Nachfolger wurde bald darauf Oberförster Weiger berufen. Dieser war ein Forstmann vom alten Schrot und Korn und Meister im Jägerlatein. Mit Witz und Humor benannte er den Waldteil, in dem sich das Abenteuer abgespielt hatte, »Judenangst«.

 

Eine gewonnene Wette

Von einer früher eingegangenen Wette wurde vor 50 Jahren noch oft erzählt. Der damals noch lebende Bahnwärter Josef Holz ging 1895 mit dem Ochsenwirt Trick und dem Förster Weber eine Wette ein: Er wollte in 75 Minuten vom Ochsen auf den acht Kilometer entfernten Tauchenweiler und wieder zurück laufen. Die Wette galt 60 Liter Bier. Holz legte die Strecke über Berghäusle und Randweg zurück, stärkte sich noch im Tauchenweiler und saß nach 73 Minuten wohlbehalten wieder im Ochsen. Förster Weber hatte auf dem Tauchenweiler kontrolliert, ob Holz dort richtig ankam und die Bedingungen der Wette erfüllte. Zum Staunen seiner Partner war die Wette gewonnen und sie mußten bezahlen. Die beachtenswerte Leistung wurde im Kreise seiner Kameraden von dem hiesigen Militärverein gebührend gefeiert.

 

Der Geist im Forsthaus

Nach einer allgemeinen Sage soll im alten Forsthaus früher von Zeit zu Zeit ein Geist erschienen sein, der oft die ganze Nacht hindurch lärmte. Sogar am hellen Tag ließ er sich blicken und half den Hausbewohnern beim Feueranzünden und Kochen. Einmal soll er sogar die gerade beim Feuermachen beschäftigte Person in den Ofen geschoben haben. Als bei seiner späteren Erscheinung das Lied: »Jesus nimmt die Sünder an« gebetet wurde, kam ein blutüberströmtes Weib zur Türe herein, worauf der Geist für immer verschwunden sein soll.

 

Die Katzenbachrutschel

Im Katzenbach zeigte sich — nach dem hiesigen Volksglauben — bisweilen die Katzenbachrutschel, die ihre Freude daran fand, Leute, welche des Nachts spät nach Hause gingen, zu schlagen und zu ängstigen.


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