Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 448 / 494

 

schottert zu werden. Dieses seltene Ereignis wollte er sich nicht entgehen lassen und er stand voller Erwartung den ganzen Tag in der Jägergasse und an der Hauptstraße, um das Ungetüm zu sehen. Da natürlich nichts kam, wurde er viel zum Besten gehalten.

 

Der Klapperschlangenseff

Aus der alten Hafnerzeit hat sich ein ergötzliches Vorkommnis überliefert; die Geschichte vom »Klapperschlangenseff«. Im Oktober des Jahres 1824 gingen ein Hafner- und ein Wagnergeselle von Oberkochen zu einer Kirchweih nach Hofherrnweiler, wo sie gut bewirtet wurden. Spät abends traten sie wohlgemut in dem frischen Herbstwind über Osterbuch und Finstertäle den Heimweg an. Am Waldabhang zum Wolfertstal bemerkten beide von einem Baum herab eine lange glänzende Gestalt, die sich hin und her bewegte. Plötzlich schrie der junge Hanfer auf und rief jammernd seinem erschrockenen Freunde zu: »Da hängt ja eine Schlange; ich bin gebissen worden; führe mich heim, sonst muß ich sterben!« Als auch der Wagner sich von dem perpendikelartigen Wesen überzeugt hatte, ein Klappern und Rascheln vernahm und sein Kamerad an der Hand blutete, glaubte auch er, eine gefährliche Viper angetroffen zu haben. Beide versicherten bei der Ankunft im Ort, im dortigen Walde halte sich eine Klapperschlange auf. Viele wurden hierdurch beunruhigt, und das Abenteuer wurde von der Gemeinde an das Oberamt berichtet. Dieses ließ durch Waldschützen und Holzfäller die seltsame Kunde untersuchen und im Walde nachforschen. Das Gelächter soll sehr groß gewesen sein, als an der bezeichneten Stelle ein herabhängender krummer Birkenast entdeckt wurde. Der bewegte sich im Winde und hatte das Geräusch und die Verletzung verursacht. Der furchtsame Hafnergeselle Josef Hug sei von da an der »Klapperschlangenseff« gewesen. Bald aber habe er sich, um seinem Spottnamen und den Sticheleien seiner Kameraden zu entgehen, von hier fortgemacht und sich nach Dischingen verheiratet.

 

Die Geschichte von der »Judenangst«

Der jüdische Viehhändler David H. aus Lauchheim, ein im Kochertal wohl bekannter Mann, hatte bei Landwirt Arnold hier zwei große Stiere gekauft. Mit einem Treiber wollte er die Tiere auf dem sog. Judenweg über Ebnat —Waldhausen — Hülen nach Lauchheim befördern. Unterwegs wurde eines der Tiere wild, riß sich los und sprang wie rasend rechts seitwärts in den Wald am Kahlenbühl. Der Jammer von Herrn H. war groß.

Längere Zeit wurde der Stier nicht entdeckt und verwilderte in den ausgedehnten Wäldern. Um des gefährlichen Ausreißers habhaft zu werden, wurde


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