Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 447 / 494

 

Die Sagen vom Katzenstein

Am Abhang des Volkmarsberges, rechts vom »Zickzackweg« liegt ein Felsblock mit einer Nische, der seit alters der Katzenstein heißt. An diesem Katzenstein soll sich vor über hundert Jahren folgende Geschichte zugetragen haben:

Es war zur Erntezeit. Auf seinem Felde am Hang des Volkmarsberges, unterhalb des Waldes, schnitt der Hafnermeister Joseph Hug vom Katzenbach mit seiner Familie Getreide. Plötzlich sahen sie, wie eine jüngere, gut gekleidete Frau, die ein Bündel unter dem Arm trug, den Hang zum Walde hinaufeilte. Vielleicht eine Stunde später hörten sie vom Walde herab das Wimmern eines kleinen Kindes, und als der Hafner Hug den kindlichen Klagelauten nachging, fand er in der Nische des Katzensteins ein kleines Knäblein, eingewickelt in reinliche Windeln. Er empfand Mitleid mit dem armen Geschöpf und nahm es mit nach Hause, wo es gute Pflege fand. Die junge Frau, wohl die Mutter des verlassenen Knäbleins, wurde von einer Beerensucherin in der Nähe des Steines gesehen, war aber nirgends mehr aufzufinden. Man wußte nicht, ob das Kind getauft war und fand nur in den Windeln den Namen J.K. Hafner Hug ließ es taufen und gab ihm den Namen Joseph Katzenstein (nach ihm selbst und dem Fundort). Die Familie Hug zog den talentvollen Knaben auf. Später ging er in die Schweiz und man hörte nichts mehr von ihm.

 

Die Schlittenscheißer

Der Übername der Oberkochener führt in ein Gebiet, das sich bei nachbarlichen Neckereien großer Beliebtheit erfreut. Burschen aus Oberkochen spielten einem Wahlkandidaten einen üblichen Streich. Sie leerten ihm während seiner Wahlrede Jauche in seinen vor dem Gasthof (Hirsch) stehenden Schlitten. Daher werden die Oberkochener weit und breit die »Schliedascheißer« geheißen. Die Bewohner von Unterkochen (Bärenfanger) necken die Oberkochener mit »Haoka« oder »Schnaoka«.

 

Der Bachbeck

Viel Erheiterung und Spaß machte die Geschichte vom Bachbeck. Dieser war in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts Ortstagelöhner und Nachtwächter in Oberkochen. Eigentlich hieß er Xaver Schmid und war gebürtig von Donsdorf. Gerne ging er an kalten Tagen in die Werkstätten der Hafner, um sich zu wärmen und sich zu unterhalten. Bei seinem Drang nach Neuigkeiten wurde ihm mancher Bären aufgebunden. So war ihm eines Morgens mitgeteilt worden, heute werde der Bergfelsen vom Volkmarsberg mit zehn Pferden nach Oberkochen hinabgezogen, um für das Hüttenwerk Königsbronn ver-


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