Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 446 / 494

 

Engelstein — Wiesenkapelle

In Sage und Geschichte spielte die Wiesenkapelle eine besondere Rolle. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war dort unter einer Mauerwölbung ein Bild des Schmerzensmannes an der Geißelsäule; das Bild stand im Rufe der Wundertätigkeit. 1765 wurde dann eine Kapelle gebaut, und das Bild erhielt einen Platz auf dem Hochaltar. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde es jedoch zerstört. Mönche der Abtei Ettal haben daraufhin ein neues aus Holz geschaffen. Im Jahre 1819 ließ ein Bauer die Kapelle erweitern.

Neben der Kapelle stand bis zum Jahre 1862 ein runder, schöner Felsblock. Er hatte eine Höhe von etwa vier Metern. In der Nacht vor dem Alexis-Tag (17. Juli) sei dort einst ein Engel erschienen, in weißem Gewand, die Hände segnend über das Kochertal ausgebreitet und umstrahlt von einem lichten Schein. Die Bauern deuteten diese Erscheinung als Vorzeichen für eine gesegnete, reiche Ernte. Der Felsblock soll auf diese Begebenheit hin den Namen Engelstein erhalten haben.

An diesem Tage kam noch bis in die jüngste Zeit eine kleinere Schar von Wallfahrern aus Affalterwang auf dem Härtsfeld zum »Geißelheiland« in der Wiesenkapelle. Am 4. Juli (Ulrichstag), früher hier Ratzenfeiertag genannt, erschienen Gläubige von Waldhausen in der Kapelle. Der »Geißelheiland« steht jetzt in der neuen Maria-Schutz-Kapelle im Weingarten.

Beim Bau der Eisenbahnlinie von Aalen nach Heidenheim im Jahr 1862 wurde der Engelstein von dem damaligen Maurermeister Wingert gesprengt. Die Anordnung hiezu ging von Schultheiß Wingert aus. Der Flurnamen rechts von der Halde hinauf heißt heute noch Engelstein.

Die Wiesenkapelle wurde 1950, bedingt durch die Errichtung des Sägwerks der Firma Bäuerle, abgebrochen. Herr Otto Bäuerle sen. stiftete an ihrer Stelle die heutige Kapelle »im Weingarten«, auch Maria-Schutz-Kapelle genannt. Sie wurde am 31. Juli 1950 geweiht.

Dennoch ist die Wiesenkapelle »unsterblich«: sie wird bis auf den heutigen Tag in der offiziellen Liste des Landesdenkmalamts, in der alle schutzwürdigen Objekte auf Oberkochener Gemarkung aufgeführt sind, als ein Gebäude geführt, das unter Denkmalschutz steht.

 

Der Besenbinder vom Katzenstein

In der kleinen Höhle unter dem Kreuz auf dem Rodstein hielt sich früher untertags ein Besenbinder namens Bösner auf. Er stellte Besen her und flocht Körbe. Hier und da soll er auch das Wild in Augenschein genommen haben, um sein kümmerliches Dasein durch einen saftigen Braten zu versüßen. Später handelte er mit Hafnergeschirr und wohnte im Haus von Karl Hägele, Landwirt. Zwei seiner Töchter zogen nach Amerika, seine Familie gibt es in Oberkochen nicht mehr.


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