Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 445 / 494

 

Griebigensteinhöhle verschwunden sei. Nach anderen Angaben soll es die Höhle im Kahlenbühl gewesen sein, die über lange Zeit bis fast in unsere Tage als Abfallgrube für Wildeingeweide benützt worden ist. Über geraume Weile fehlte der Dackel unentschuldigt. Für sein ebenso unerklärliches Wiederauftauchen gibt es auch zwei Varianten. Nach der ersten soll er durch einen unbekannten Schlupf in eine verstürzte Höhlenfortsetzung gelangt, von da durch den sagenhaften unterirdischen Verbindungsgang zum Pulverturm gereicht und dort im Bereich der mittelalterlichen Abschnittsbefestigung zum Vorschein gekommen sein. Nach der zweiten soll er gar auf unterirdische Weise bis zu den Königsbronner Klostermauern vorgedrungen sein und dort das Licht der Welt wiedererblickt haben.

Schüler des Gymnasiums haben 1979, im »Jahr des Griebigen Steins«, zu diesem mysteriösen Sagenstoff zusammen mit ihrem Lehrer ein Theaterstück verfaßt, das bei einem Schulfest öffentlich aufgeführt wurde und die enorme Glaubwürdigkeit dieser Geschichte in entsprechender Weise unterstrich.

 

Der Schäfer vom Wollenberg

Vom Wollenloch, der mehr als 50 Meter tiefen Doline auf dem Wollenberg, erzählt man in Oberkochen folgende Geschichte:

Es war in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Da hütete ein Schäfer vom Seegartenhof seine Schafe auf dem Wollenberg. Eintönig und lang war der Tag des Schäfers, und bis zum Abend meldete sich der Hunger. Darum wartete der Schäfer mit Schmerzen auf sein Weib, das ihm jeden Abend das karge Mahl in einem Korbe auf den Berg brachte. Eines Tages aber verspätete sich das Schäferweib, und der ob des langen Wartens schon übel gelaunte Schäfer war zudem mit dem gebrachten Essen nicht zufrieden. So gerieten die Schäfersleute in Streit miteinander. In seinem Zorn erschlug der Schäfer sein Weib mit der Schippe und warf es in das abgründige Wollenloch, um die Tat zu verdecken. Der Schäfer schwieg über den Mord. Das Verschwinden der Frau erregte wohl Aufsehen, aber niemand erfuhr ihr trauriges Schicksal.

Nach einiger Zeit fand man die Pantoffeln der Schäfersfrau in der Quelle bei der Ziegelhütte am Fuße des Wollenberges. Wie kamen die Pantoffeln in die Quelle bei der Ziegelhütte? Es entstand der Verdacht, der Schäfer könnte sein Weib ins Wollenloch geworfen haben und die unterirdischen Wasser könnten die Pantoffeln der Toten bis zu der Quelle geschwemmt haben, denn man vermutete schon damals eine unterirdische Verbindung zwischen dem Wollenloch und der Quelle. Zur Probe wurden Spreuer und Tierblut ins Wollenloch geschüttet. Beides kam in der Quelle wieder zum Vorschein. Der Schäfer leugnete die Tat hartnäckig, deren er bezichtigt wurde. Als man ihn verhaften wollte, flüchtete er ins Bayerische, und es ist auch nie mehr eine Nachricht von ihm in die Heimat gekommen.


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