Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 443 / 494

 

zog Six auf den Stützelhof bei Königsbronn. Er hatte das Sixer-Feldle angebaut und verkaufte es beim Wegzug an die Gemeinde. Jetzt ist dort eine Tannenkultur. (Daß der Name Sixer-Feldle von den sächsischen Truppen herrührte, die im Schmalkaldischen Krieg bei Oberkochen von Spaniern zurückgeschlagen wurden, ist demnach unrichtig.)

 

Der Geltenbalthes

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hauste auf der Bilz ein Hirte von besonders urwüchsiger Art. Sein eigentlicher Name war Balthasar Baumgärtner; im Volk wurde er allgemein nur der Geltenbalthes genannt. Von Georgi bis Martini hütete er dort im Gemeinde- und Staatswald das Geltvieh (Jungvieh) und kam vom Frühjahr bis zum Herbst nicht mehr ins Kochertal herab. Bei den hiesigen Bauern galt er viel, weil er die Tiere in treuer Obhut hielt und auch von der Tierheilkunde allerlei verstand. Bei seiner Umsicht, Energie und Körperkraft leistete er auch oft den Holzhauern und Forstleuten gute Dienste.

Im Anschluß an diese Geschichte berichtet Hauptlehrer Günter über die »Hülben« auf der Oberkochener Markung. Die Hülbe auf der Bilz war eine der größten in der Umgebung. Sie war mit einer dicken Lehmschicht ausgeschlagen, damit das Wasser zur Viehtränke länger gebraucht werden konnte. Solche Hülben befanden sich auch im Zollhau und Riesenhau. Dort stand ein Hof, der im Türkenkrieg verbrannt worden sein soll.

Bilz und Riesenhau waren früher die Hauptweideplätze der hiesigen Gemeinde. Als dann in späteren Jahren das Holz besser bezahlt wurde, hörten die Viehweiden auf, und die Hülben wurden eingeebnet. Die Ortsbewohner von Oberkochen zogen sich mit ihrer »Land- und Stallwirtschaft« auf ihre Höfe in das Kochertal zurück.

Beim Brunnen im Tiefental war früher ebenfalls eine große Hülbe, in welcher Forellenzucht getrieben wurde. Bis Anfang vorigen Jahrhunderts stand das Tiefentalhäuschen daneben und später am Waldrande eine gräumige Holzhütte. Diese wurde im Sommer bewohnt von Frau Christine Truckenmüller, welche die Talfelder hütete zum Schutze gegen das Wild.

 

Die Hirten von Oberkochen und Ochsenberg

Zur Zeit der Waldviehweiden waren auch Hirten der Gemeinde auf der »Rodhalde« und der »Büchelesplatte«. Die Waldungen reichten damals bis nahe an den Kocher her. Nach vorhandenen Urkunden entstanden zwischen den hiesigen Hirten und denen von Ochsenberg öfters blutige Streitereien. Sie hüteten das Kuhvieh, Jungvieh und trieben auch Pferde auf die Weide. Öfters spran-


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