Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 441 / 494

 

Der Bilzhannes

Vor über hundert Jahren lebte auf der Bilz, dem Fichten- und Laubwald südwestlich des Volkmarsberges, ein gefürchteter Waldhüter, Bilzhannes genannt. Er war ein Original von einem Waldmenschen. Struppiges Haar und rötlicher Bart umrahmten das Gesicht. Dunkle, feurige Augen sprühten wie Blitze daraus hervor. Als echter Sohn der Natur bewohnte er ein Steinhaus, von dem jetzt noch die Grundmauern zu sehen sind. Auf der Bilz war damals eine fünf bis sechs Morgen große Fläche, mit Gestrüpp durchsetzt und von gewaltigen Buchen umgeben. Diese Lichtung diente auch als Viehweide. Das Haus stand bis Ende der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Im Auftrag des Forstamts hatte der Bilzhannes den Wald und das Wild zu beaufsichtigen. Mit den Wilderem soll er auf gutem Fuß gestanden sein und manche Rehe und Hasen seien ihm vor die Türe gelegt worden.

Bilzhannes kannte keine Furcht; als vorzüglicher Schütze und Weidmann war er weit bekannt. In den Ort herein kam er ziemlich selten, meist nur im Winter, um Brot und Branntwein zu holen. Mit rauhem grünem Kittel angetan und dickem Knotenstock in der Hand, fürchteten die Kinder den unheimlichen Mann. Die Mutter schüchterte sie ein mit den Worten: »Der Bilzhannes kommt und nimmt dich mit!« Seine Einkehr war bei Küfer und Schnapsbrenner Johann Schiebel in der Feigengasse. (1865 brannte das Haus ab). Der Heimweg ging übers Birkel und übers Brünnele, wo er öfters Rast hielt. Er war ein trinkfester Mann, erreichte aber ein hohes Alter.

Im Winter des Jahres 1810/11 kamen König Friedrich I. und Herzog Paul von Württemberg zu einer größeren Treibjagd auf den Albuch. Friedrich I. war bekanntlich ein mutiger und entschlossener Mann, aber auch von hartem, unbeugsamem Willen. Herzog Paul wohnte damals in Bartholomä und hielt sich oft in der Steinhüttenhöhle im Wental auf.

Die Jagd zog sich vom Volkmarsberg über die Bilz, den Wollenberg, Zang, Wental bis nach Steinheim hin. Bilzhannes war hier in seinem Element und hatte dem König einige prächtige Hirsche und Keiler vor die Büchse getrieben. Auch durch Wildbretführen und Beischaffen der Jagdwagen hatte er sich die Gunst des Landesherren und dessen Lob erworben. Die von Bilzhannes geführten Treiber sollen damals acht Tage nicht mehr heimgekommen sein. Der König nächtigte in seinem Jagdwagen und sei auch einigemal in das Bilzhaus gekommen, wo der alte Ofen des Mannes schrecklich rauchte. Als es ganz unerträglich wurde, rief der König: »Aber Hannes, du hast einen lumpigen Ofen, da hält es der Teufel nicht aus!«, nahm einen Baumast und warf damit den Ofen über den Haufen. Bilzhannes löschte die Glut und sah betrübt auf die Trümmer seines Wärmespenders. Seiner Not ohne den besten Freund in seiner Wintereinsamkeit gab er beredten Ausdruck. Der König beschwichtigte ihn und reichte ihm mehrere Silbertaler. Als Bilzhannes dann von einem königlichen Leibjäger erfuhr, daß das Tiefental herauf bereits ein Wagen im


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