Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 43 / 494

 

hunderts hin. Über Bauzeit und Bauträgerschaft liegen jedoch meines Wissens keine gesicherten Kenntnisse vor. Dagegen wissen wir, daß die Zisterziensermönche von Königsbronn die Oberkochener Christen seelsorgerlich betreuten, fast vierzig Jahre lang.

Mag sein, daß diese Dienstreisen, zu Fuß sicherlich, den Mönchen zu beschwerlich waren oder das Kloster über Gebühr belasteten, jedenfalls betrieb der Abt von Königsbronn längere Zeit die Errichtung einer eigenen Pfarrei in Oberkochen. Dazu bedurfte es einiger Verhandlungen mit Abt Cuno von Ellwangen, der ja das Patronatsrecht über ganz Oberkochen ausübte und für den das alles mit Kosten verbunden war: Mit Kaufbrief vom 16. März 1343 erwarb er die Oberkochener Kirche St. Peter, die bisher schon Ellwangen zehntpflichtig war. (Das Doppelpatronat St. Peter und Paul besteht erst seit 1741.) Außerdem mußte Abt Cuno dem Pfarrer von Oberkochen als Pfründe zwölf Malter Getreide aus dem Zehnten überlassen, wofür die Gemeinde ihrerseits wieder 72 Pfund Ablöse zu zahlen hatte. Somit können wir 1343 als das Gründungsjahr der katholischen Kirchengemeinde Oberkochen ansehen. Was nun die Pfründe betrifft, kann sie nicht sonderlich fett gewesen sein, denn aus dem Jahr 1490 ist eine dringende Empfehlung des Ellwanger Abtes vorhanden, in welcher er zu Spenden »für die äußerst notleidende Pfarrkirche zu Oberkochen« aufruft.

So wurde nun der Hirte berufen — der erste einer langen Reihe. Wie aber war es um die Herde bestellt? Welches waren die inneren und äußeren Voraussetzungen, die das kirchengemeindliche Leben im Dorf des 14. Jahrhunderts bestimmten?

Zunächst die soziale Strukturierung des Dorfes: Die meisten Güter der beiden Grundherrschaften Königsbronn und Ellwangen befanden sich als Lehen in den Händen einiger Ministerialen, von denen offenbar nur die Herren von Kochen in den Ritterstand integriert und in Oberkochen seßhaft waren, wo sie übrigens noch bis 1475 nachweisbar sind. Sie waren, wenn auch selbst Vasallen, die Herren des Dorfes. Daneben gab es noch halbfreie Bauern oder »Hüfner«, die meisten Dorfbewohner waren jedoch »Lehner« (Pächter) oder nur »Seidner« (landlose Tagelöhner). Die sozialen Grenzen waren jedoch sicher fließender als wir heute annehmen. Dieses Dorf war eine Schicksalsgemeinschaft, deren oberstes Ziel die Sicherung der elementarsten Lebensbedürfnisse darstellt. Diese Sicherheit, die selbstverständlich immer nur den Augenblick verbürgen konnte, war nur gegeben im Zusammenleben von Menschen, die ihre Interessen nicht als Einzelne verfolgten, sondern in kollektiven Regelungen und verbindlichen Konventionen. Da war kein Platz für Freiheit jedwelcher Art. Nicht für persönliche Freiheit: Alles, was im Dorf geschah, vollzog sich in aller Öffentlichkeit und Konformität. Es gab nicht einmal Freiheit im wirtschaftlichen Handeln: Die konkreten Zwänge der Fruchtfolge in der Dreifelderwirtschaft und die gemeinsame Nutzung der Allmende und der


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