Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 421 / 494

 

legung des Platzes zugleich den künftigen geistigen Mittelpunkt der Gemeinde zu bestimmen. Am 6. November 1961 beschloß der Gemeinderat mehrheitlich, das neue Rathaus am Eugen-Bolz-Platz zu erstellen. Dort, inmitten eines im Endausbau von der Langertquelle bis zur Kreuzmühle reichenden modernen Wohngebietes, erhoffte man sich die bestmögliche städtebauliche Lösung. Die im Plangebiet »Ortsmitte« untersuchten drei Projekte hätten nach der Überzeugung der Mehrheit des Gemeinderats und der Verwaltung zu unüberwindlichen Schwierigkeiten geführt. Die mit einigen Grundstückseigentümern eingeleiteten Verhandlungen hatten gezeigt, daß zum Teil überhaupt keine Verhandlungsbereitschaft bestand, zum Teil nur bei einer Enteignung gewichen worden wäre. Die große Mehrheit des Gemeinderats und der Verwaltung glaubte, die in der Ortsmitte betroffenen Bürger dürfe man von ihren ererbten Grundstücken nicht verdrängen. Der Abschied vom Rathaus am gewohnten Platz mag in manchen treuen Altoberkochener Herzen betrübliche Gefühle geweckt haben. Solche Gefühle mußten jedoch auch für jene Bürger gelten, die aus der bisherigen Ortsmitte hätten weichen müssen.

Aber nicht nur Gefühle und nicht nur städtebauliche Ästhetik hatten die getroffene Entscheidung beeinflußt, sondern auch die dem Gemeinderat auferlegte Pflicht zur pfleglichen und wirtschaftlichen Verwaltung des Gemeindevermögens. Bei einem Neubau auf dem seitherigen Areal des alten Rathauses wären für Hinzuerwerb von Grundstücken nicht zu vertretende Aufwendungen angefallen. Der neue Rathausplatz ist die geographische Mitte der Stadt. Er ist Bindeglied zwischen der »Arbeitswelt« im Süden und den Wohngebieten im Norden. Neben der Platzwahl war die bauliche Lösung das zweite


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