Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 42 / 494

 

1240 der Grundherr von Kochen, Graf Hartmann von Dillingen, Herr des Brenzgaues, einen Teil Kochens dem Benediktinerkloster Ellwangen vermachte, zum Heil seiner Seele, und anderseits seine Schwester Willibirg den ihr nachgelassenen anderen Teil 1258 durch Heirat den Helfensteinern der Blaubeurer Linie zuführte. Diese Teilung wurde den Kochenern sicher erst deutlich, als ein merkwürdiger Ringtausch 1303 zur Gründung des Zisterzienserklosters Königsbronn führte: Ulrich von Helfenstein verkaufte sein Gut Herwartstein »mit allen Zugehörigkeiten und Rechten« an Albrecht I., den Sohn Rudolfs von Habsburg. Dieser, wieder des Seelenheils wegen, überließ den Besitz dem Kloster Salem mit der Auflage, damit zu »Springen« ein Zisterzienserkloster zu gründen und auszustatten. Der nichtellwängische Teil Kochens wurde diesem Kloster bis 1358 einverleibt. Es ist im Ernst keine Frage, daß diese doppelte geistliche Grundherrschaft sowohl hinsichtlich der geistlichen wie auch wirtschaftlichen Entwicklung des späteren Oberkochen höchst bedeutsam war.

Benediktiner und Zisterzienser stießen also in Oberkochen aufeinander —wer denkt da nicht an die erbitterte Fehde zwischen Petrus Venerabilis, dem letzten der großen Äbte von Cluny, und Bernhard von Clairvaux. Während nämlich Cluny meinte, Macht und Größe Gottes sollte sich in der Pracht der sakralen Bauten, der Kunstwerke und der Liturgie widerspiegeln, bezogen die Zisterzienser die radikale Gegenposition: Nur in der unerbittlichen Entsagung, durch extremen Verzicht und nur durch die Flucht in die unwirtlichsten und verlassensten Gegenden kann die Erlösung erfolgen und nur so ist in doppelter Weise der Schöpfungsauftrag Gottes zu erfüllen, in der eigenen Vervollkommnung zunächst (für Pico de la Mirandola ist der Mensch immer »plastes et factor sui ipsius«), dann aber auch in der Überführung der ganzen Welt in einen immer besseren Zustand. So wirkten die Zisterzienser unter unsäglichen Entbehrungen als die ersten Entwicklungshelfer, durchaus technikfreundlich, denn sie erkannten schon im 12. Jahrhundert die Bedeutung energiesparender Maschinen, wie ein Besuch in Fontenay, der einzigen authentischen Klosteranlage aus der Frühzeit des Ordens (1118), nachweist.

Mochten sich — fast 200 Jahre später — die Zisterziensermönche von Königsbronn im Zeichen des wirtschaftlichen Erfolgs, der den Orden inzwischen wider Willen eingeholt hatte und im übrigen die Gegensätze zu den Benediktinern erheblich reduzierte, auch nicht derart rigorosen Lebensumständen aussetzen, ist doch für sie bezeichnend, daß sie schon 1366 das Privileg erwarben, nach Bohnerzen zu schürfen und sie zu verhütten. Dies und die Errichtung der ersten Eisengießerei mit Hammerwerk stellt sicher die Grundlage für die Industrialisierung unseres Raumes dar.

Oberkochen muß übrigens schon längere Zeit vorher eine eigene Kirche gehabt haben, denn Fundament und Erdgeschoß unseres heutigen Kirchturms weisen auf einen ansehnlichen Kirchenbau im romanischen Stil des 13. Jahr-


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