Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 419 / 494

 

Albert Bahmann †
Bürgermeister Harald Gentsch

Rathaus und städtische Einrichtungen

 

Rathaus

Kleinere Gemeinden verfügen selten über repräsentative oder historische Rathäuser. Oberkochen mußte bis zum Zweiten Weltkrieg dem Kreis dieser Kommunen zugerechnet werden, denn 1933 hatte der Ort ca. 1700 Einwohner und 1939 rd. 2000. Erst nach Kriegsende setzte eine enorme Steigerung der Einwohnerzahlen ein, bedingt durch die Niederlassung der Firma Carl Zeiss. Dies war auch der Grund, ein der Größe der heutigen Gemeinde gemäßes Rathaus 1964-1967 zu erstellen. Ein Rückblick auf die Geschichte des Oberkochener Rathauses ist auf eine verhältnismäßig kurze Zeitspanne beschränkt. 1840 wurde es erstmals erwähnt. Bis zur Säkularisation wurden die Verwaltungsgeschäfte im wesentlichen von den geistlichen Fürstentümern (Fürstpropstei Ellwangen und Kloster Königsbronn) abgewickelt. Erst danach entwickelte sich eine eigene kommunale Selbstverwaltung. Ein Rathaus war zunächst nicht verfügbar. In den Protokollen des Jahres 1816 ist vermerkt, der Nebenbau des Hirschwirts Scheerer mitten im Dorf sei um zehn Gulden und ein Klafter Holz als Magistratszimmer angemietet worden. Verhandelt wurde auch im »Hirschwirtshaus« sowie im »Ochsen«. Im Jahre 1840 entschlossen sich Gemeinderat und Bürgerausschuß, das Wohnhaus des verstorbenen Flurers und Bürgers Matthias Wiedenhöfer zu kaufen. Das Haus eigne sich von seiner Größe und frequentierten Lage her zu einem Rathaus. Am 17. September 1840 erwarb die Gemeinde das Gebäude Wiedenhöfer zum Kaufpreis von 2526 Gulden. Gleichzeitig genehmigten die bürgerlichen Kollegien die Umbauarbeiten vom Wohnhaus zum Rathaus und die Anschaffung der Einrichtungsgegenstände. Im Erdgeschoß wurde für den Amtsboten eine Wohnung bereitgestellt sowie ein Abstellraum für Feuerlöschgeräte usw. Gravierende Veränderungen wurden bis zum Jahre 1936 nicht vorgenommen. Es mangelte jedoch schon immer an einem geeigneten Sitzungssaal. Eine Erweiterung in Richtung Gasthof »Grube« bot sich an, die schließlich auch realisiert wurde. Im Erdgeschoß des Erweiterungsbaues schuf man Boxen zur Unterbringung der Feuerlöschgeräte, im ersten Stock den Sitzungssaal und einen weiteren Büroraum.

Anfang der 50er Jahre reichten die vorhandenen Büroflächen wegen der sprunghaften Steigerung der Einwohnerzahlen nicht mehr aus. Der Gemeinderat beschloß daher 1952, die seitherige Wohnung des Amtsboten im Erdge-


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