Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 417 / 494

 

damals etwa 1000 Fremdarbeiter in den Betrieben Oberkochens zu übernehmen habe. Als weitere Folge ergab sich daraus im Juni 1945 meine offizielle Niederlassung als erster Arzt in Oberkochen.

Der Anfang war — wie überall — schwer. Keine Instrumente, keine Medikamente, bescheidene Praxisräume, kein Fahrzeug. Mit einem geliehenen Motorrad fuhr ich meine ersten Patienten selbst zum Röntgen in die Krankenhäuser nach Aalen und Heidenheim. Anfangs gab es für die Behandlung und Hausbesuche oft noch kein Honorar, dafür aber hin und wieder einen guten Obstler. Bei einem Hausbesuch am Heiligabend wollte ein angesehener, alter Oberkochener Handwerksmeister mir auch Gutes antun. Im Bett liegend sagte er zu seiner Frau: »Mutter, gib dem Doktor einen Schnaps, aber vom Guten!« Mutter holte die Flasche hinter dem Bett hervor, schenkte ein und gab ihn mir. Ich trank und machte wohl ein recht dummes Gesicht. »Schmeckt er nicht, Doktor?« — »Nein!« — »Laß mal probieren, Mutter!« — »Heideblitz, du hast dem Doktor ja vom Weihwasser eingeschenkt!«

Bereits 1946 ließ sich ebenfalls vom Kriegsdienst entlassen, aus dem Sudetenland stammend, Dr. L. Borst als zweiter Arzt in Oberkochen nieder.

In den Nachkriegsjahren gehörte die Leitung der Hausgeburten noch generell zur Aufgabe eines praktischen Arztes mit Geburtshilfe. Eine Tätigkeit, die bei uns Ärzten oft mit viel zusätzlichem Einsatz aber auch mit Freude verbunden war. Ich erinnere mich an eine Nacht, in der im Altenteil des Geburtshauses, also in der gleichen Familie, ein langes Leben friedlich verlosch und fast gleichzeitig ein junges munter schreiend in die Welt trat. So leisteten wir damals zusammen mit der schon hochbetagten Hebamme Holz und ab 1948 mit ihrer Nachfolgerin Frau Hauber jährlich bei ca. 120 Hausgeburten in Oberkochen ärztliche Hilfe.

Als erste Zahnärztin in Oberkochen eröffnete Frau E. Gebert aus Danzig kommend 1948 ihre Praxis. Die Familientradition wird jetzt durch den Sohn, Dr. med. dent. H. Gebert seit 1952 und bereits durch den Enkel, Dr. med. dent. F. Gebert fortgesetzt.

Dr. med. dent. E. Meyer praktizierte von 1950 bis zu seinem Tode 1965. Zahnarzt H. Mangold war von 1965 bis 1973 hier tätig. Zahnarzt K.M. Riede praktiziert seit 1955. Dr. med. dent. D. Klemen ist seit 1967 in Oberkochen niedergelassen.

Im Jahr 1964 eröffnete Apotheker W. Mögel in Oberkochen die Kochertalapotheke.

Mit dem explosiven Wachstum des Ortes erfolgten auch weitere Arztniederlassungen. Als nächster Arzt eröffnete Dr. J. Jordan aus dem Sudetenland kommend 1950 seine Praxis. Ihm folgte 1956 das Arztehepaar, Drs. A. und M. Schwarz. Herr Assmuss war von 1966 bis 1981 hier niedergelassen. Dr. G. Osang praktizierte von 1969 bis 1973. Dr. F. Busch war als Internist von 1972 bis 1985 hier tätig. Alle bisher aufgeführten Ärzte haben mittlerweile ihre Praxis aus Altersgründen aufgegeben.


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