Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 416 / 494

 

Eberhard Sussmann

Das Gesundheitswesen in Oberkochen

Wahrscheinlich gab es in früheren Zeiten auch in Oberkochen eine »Badstub«, denn — warum sollen die Oberkochener es mit der Hygiene nicht genau so gehalten haben wie die Unterkochener!

Im ersten Gültbuch des Amtes Kochenburg von 1337 ist in Unterkochen eine Badstube aufgeführt. Diese Badestuben, so der Chronist, waren Erblehen und deren Betreiber sind über die Jahrhunderte bis 1847 durchweg namentlich bekannt.

Der erste Wundarzt, Franz Sinz, kam 1874 nach Unterkochen und hatte dort bis 1904 eine große Praxis, die sich auf das vordere Härtsfeld und bis Oberkochen erstreckte. Der erste praktische Arzt in Unterkochen, Dr. med. Karl Dischler, besuchte seine Oberkochener Patienten mit dem Pferde. Er war nur kurze Zeit in Unterkochen ansässig und verlegte seinen Sitz nach Heidenheim. Ihm folgte Dr. med. Hans Schmitt, ebenfalls wohnhaft in Unterkochen, der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges das selbe Gebiet versorgte.

Zur gleichen Zeit um die Jahrhundertwende betreute von Königsbronn aus Dr. med. Liesching ebenfalls Oberkochener Einwohner. Ab 1913 übernahm Dr. med. Lubenau diese Praxis, die sich vom Härtsfeld über das Brenztal hinweg bis Bartholomae und bis in das Kochertal ausdehnte. Er war übrigens der erste Arzt, der Oberkochen per Automobil besuchte.

Seit 1906 besteht in Oberkochen eine Schwesternstation des Franziskanerinnenordens, dessen Mutterhaus in Reute, Oberschwaben, ist. Mit unermüdlicher Einsatzbereitschaft und reicher Erfahrung betreute in der Kriegs- und Nachkriegsnotzeit die allseits sehr geachtete und respektierte Ordensschwester Aspedia die Kranken und Alten des Ortes. In Schwester Raimunda hat der Orden seit 1977 eine sehr tüchtige Nachfolgerin gefunden.

Bis zur Eröffnung der ersten Apotheke in Oberkochen durch den Apotheker U. Irion im Jahre 1950 besorgten als »Apothekerboten« zwei verläßliche Oberkochener Rentner oft zweimal täglich mit der Eisenbahn die Rezepte der Patienten aus den zwei Aalener Apotheken.

Ich kam im Herbst 1944 von der Truppe nach Oberkochen und betrieb nach meinem Dienstschluß im Heidenheimer Wehrmachtslazarett bei den hiesigen Einwohnern eine wohl für alle Teile erfreuliche »Rauchfleisch- und Eierpraxis«. Aber es gab damals für mich auch traurige ärztliche Tätigkeit: Versorgung Schwerverletzter und Bergung von Toten nach Tieffliegerangriffen auf den Ort, den Bahnhof und auf Eisenbahntransporte. Am Kriegsende ordnete die amerikanische Militärbehörde an, daß ich die ärztliche Versorgung der


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