Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 414 / 494

 

hof in Giengen leben. Minister v. Linden trank auf die Humanität der leitenden industriellen Häupter und auf die Bildung der Arbeiter. R.K. Hölder gedachte der politischen Seite und trank auf die Industrie des Fortschritts und der Freiheit. Noch viele andere Toaste ernsten und heiteren Inhalts belebten das Mahl. Der weitere Theil des Programms, unsern werthen Gästen die Stadt und den Schloßberg zu zeigen, wurde wegen des leidigen Regens einigermaßen beeinträchtigt. Heute ist der Himmel wieder heiterer, was der heutigen Festfahrt nach Wasseralfingen zugutkam. Mit dieser Eröffnung der Eisenbahn ist nun eine neue Epoche für unsere Stadt angebrochen; möge sie in jeder Beziehung eine glückliche seyn.«

Immerhin konnte mit der Strecke Aalen — Heidenheim der ersehnte Anfang gemacht werden. Die zweite Teilstrecke, der Abschnitt von Heidenheim nach Niederstotzingen über Herbrechtingen und Giengen, wurde am 25. Juni 1875, der daran anschließende Abschnitt von Niederstotzingen bis Langenau am 15. November 1875 eröffnet. Die Reststrecke von Langenau bis Ulm, die zudem bayerische Gebietsteile bei Elchingen durchquert, konnte schließlich kurz nach dem Ablauf der Sperrfrist, am 5. Januar 1876, in Betrieb genommen werden.

Die Brenzbahn ist auf ihrer gesamten Strecke als Hauptbahn mit Planum für ein zweites Gleis ausgeführt worden. Verantwortlicher technischer Leiter für den Bau der gesamten Brenzbahn war Oberbaurat Georg Morlok, der auch schon die Remsbahn erbaut hatte.

Beim Bahnbau waren Bauämter tätig, die ihre Sitze in Königsbronn, Giengen, Brenz und Langenau hatten.

Für die Hochbauten zuständig war das Hochbauamt in Aalen. Die Verwaltungsgebäude der verschiedenen Stationen der Brenzbahn sind schöne Beispiele für Hochbauten der damaligen Staatseisenbahnen, die vom Können ihres Erbauers Morlok Zeugnis ablegen. In Heidenheim hat sich, wenn auch heute zweckentfremdet, noch eine sechsständige Lokomotivremise, ein interessantes technisches Denkmal, erhalten.

Ein Blick auf die Eisenbahnkarte zeigt, daß um Heidenheim herum im Gegensatz zu anderen Gegenden des Landes Baden-Württemberg, Nebenbahnen fehlen. Leider wurde erst sehr spät die Frage einer sinnvollen Erschließung der Heidenheimer Alb durch Nebenbahnen durch eine generelle Projektstudie der Staatseisenbahnen untersucht. Da dies kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges geschah, konnten diese Überlegungen in der Folgezeit nicht mehr weiter verfolgt werden. Erschwert wurde dies noch durch die leidige Tatsache, daß nach der Überführung der Württembergischen Staatseisenbahnen in den größeren Verband der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft zum 1. April 1920 für solche Planungen kein Interesse mehr vorhanden war. Die vorgenannte Studie befaßte sich vor allem mit der Verbindung zwischen Heidenheim und Weißenstein und Gerstetten und Herbrechtingen bzw. Hei-


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]