Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 413 / 494

 

ter Lokomotive und bekränzten Wagen von Heidenheim ab nach Aalen zur Abholung der Festtheilnehmer aus Nördlingen, Bopfingen, Ellwangen, Wasseralfingen u.s.f., der um zehn Uhr in Heidenheim wieder eintraf. Auch alle an der Bahn liegenden Orte waren festlich geschmückt. Die Ankommenden wurden auf dem Bahnhof in Heidenheim mit Musik empfangen, durch die Mitglieder des Festkomites begrüßt und in die Stadt begleitet. Der Hauptzug aber sollte die Gäste aus Stuttgart, Cannstatt, Waiblingen, Kirchheim u.T., Schorndorf, Gmünd, Aalen u.s.f. bringen. Schon unterwegs wurden diese überall begrüßt und mit Musik empfangen, in Oberkochen von Jungfrauen mit Blumensträußen erfreut, in Unterkochen von Fabrikant Ebbinghaus mit Rheinwein etc. erfrischt, in Königsbronn durch die Aufwartung der am Bahnhof aufgestellten (etwa 200) Bergknappen, Veteranen, des Schützenvereins, der Festjungfrauen, und in Schnaitheim durch den Gesang der Schuljugend überrascht. Indessen hatte sich in der Stadt selbst der Festzug geordnet: die Schuljugend mit ihren Lehrern, der Turnverein, ein Zug der Jugendwehr, der Sängerklub, die mit den Farben der Stadt geschmückten Festjungfrauen, Beamte, das Komite und anwesende Gäste, die Schützengesellschaft, bis endlich eine Abteilung der Feuerwehr den Zug schloß. Leider strömte gerade in diesen Stunden der Regen am heftigsten, aber es wollte niemand zurückbleiben, und ganz besonders die Festjungfrauen, welche Blumensträuße überreichen wollten, verdienen für ihre Ausdauer und Aufopferung gelobt zu werden. Der um zwölf Uhr ankommende Zug brachte zahlreiche Gäste. Nach geschehener Begrüßung bewegte sich ein ganzer Wald von Regenschirmen der Stadt zu. Es folgten hierauf die Festessen in den Gasthöfen zum Ochsen, zur Traube und zum Schwanen. Zu der mehr offiziellen Festtafel im Ochsen waren von den Fabrikanten Heidenheims mit großer Liberalität zahlreiche Einladungen ergangen. Bald herrschte hier eine heitere, ungezwungene Stimmung, welche besonders durch eine ganze Reihe von Tischreden belebt wurde. Fabrikant K. Zoeppritz brachte Sr. Majestät dem Könige, der Königin und der K. Familie das erste mit Begeisterung aufgenommene Hoch, Staatsrath v. Sigel trank auf das Wohl der Stadt Heidenheim, Minister v. Linden auf das Wohl der Stände des Königreichs. Präsident Weber gedachte des großen deutschen Vaterlandes. Stadtschultheiß Winter gab einen interessanten Überblick über die industrielle Entwicklung der Stadt und dankte in herzlicher Weise der Staatsregierung, insbesondere dem Chef des Finanzdepartements, der Eisenbahndirektion, den Technikern, namentlich dem Herrn Baurath Morlok, für ihre Thätigkeit, durch welche in dem kurzen Zeitraume von 15 Monaten die Bahn hergestellt worden ist. Dr. Ammermüller brachte sein Hoch der Industrie der Stadt Heidenheim und des Bezirks und den vielen fleißigen Händen in denselben. R(echts-)K(onsulent) Freisleben ließ die anwesenden Mitglieder der Kammer der Abgeordneten, Direktor v. Linden die Fabrikanten Heidenheims, Präzeptor Held von Giengen den künftigen Bahn-


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