Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 412 / 494

 

Schwäbisch Gmünd und Aalen feierlich eröffnet wurde, konnten auch die Voraussetzungen zum Bahnbau von Aalen aus geschaffen werden. Die Herstellung des Anschlusses der 2. Teilstrecke Wasseralfingen — Nördlingen an Bayern konnte auf Grund eines beiderseitigen Staatsvertrages erreicht werden. Allerdings knüpften die bayerischen Vertragspartner daran eine Bedingung, die für die württembergischen Partner sehr hart war und für Heidenheim und sein Umland ernste Schwierigkeiten heraufbeschwören sollte, wovon hier die Rede sein soll. Diese Bedingung war wesentlicher Bestandteil des erwähnten Staatsvertrages und zog für Württemberg verkehrspolitische Konsequenzen nach sich. In § 37 des Vertragstextes wurde zur Bedingung gemacht, »innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Jahren, vom Tage der Eröffnung der Cannstatt-Nördlinger Eisenbahn an, keine Schienenverbindung zwischen dieser und der Cannstatt-Ulmer Eisenbahn herzustellen oder herstellen zu lassen, durch welche die württembergische Bahnlinie von Nördlingen bis Friedrichshafen kürzer würde als die bayerische Bahnlinie von Nördlingen bis Lindau«.

Diese Sperrfrist dauerte vom 3. Oktober 1863, dem Tag der Eröffnung der Teilstrecke Wasseralfingen — Nördlingen, bis zum 2. Oktober 1875. Bayern verstand diese Spanne von zwölf Jahren sinnvoll zu nutzen, um noch bestehende Lücken des eigenen Streckennetzes in der Zwischenzeit zu schließen. Der Bau der Brenzbahn stand, von der ersten Teilstrecke Aalen — Heidenheim abgesehen, unter dem unglücklichen Stern dieser »Brenzbahnklausel«. Der erste Zug der Brenzbahn-Teilstrecke Aalen — Heidenheim, die übrigens nie blockiert wurde und somit auch nie in Frage gestellt war, bildete für Oberkochen wie auch die übrigen Anrainergemeinden einen höchst erfreulichen Anlaß. Der Eisenbahnanschluß von Oberkochen hatte städtebaulich zur Folge, daß die Station in Ostlage der Achse der Ortsstraße errichtet wurde. Zum Zugang zur neuen Station mußten lediglich zwei Häuser entfernt werden und zwar dort, wo heute die Straße zum Bahnhof fast rechtwinklig von der Hauptstraße abzweigt. Über den Tag des ersten Zuges, den 13. September 1864, existiert ein umfangreicher Bericht, den die »Schwäbische Kronik, des Schwäbischen Merkurs zweite Abtheilung«, unter dem 15. September 1864 veröffentlichte. Um dieses Ereignis und die Bedeutung, die man ihm in der Öffentlichkeit beigemessen hatte, richtig zu erfassen, sei dieser Bericht in seinem vollen Wortlaut publiziert. Er lautet:

»Heidenheim den 13. Sept. Der Himmel war uns gestern nicht günstig, aber das Eisenbahneröffnungsfest ist darum doch nicht zu Wasser geworden. Schon in der Frühe verkündeten Kanonen- und Böllerschüsse die Bedeutung des Tages, und die ganze Stadt war mit Ehrenpforten, Kränzen und Fahnen geschmückt. Als besonders schön verziert mag z.B. außer den Bahnhofsgebäuden selbst die Gasfabrik, das K. Forstamtsgebäude, das R. Meeboldsche Haus u.a. genannt werden. Morgens 6 1/2 Uhr ging der erste Zug mit bekränz-


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