Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 410 / 494

 

dritter und letzter Gutachter Ludwig Klein aus Wien berufen. Ihm wurden noch Karl Etzel aus Wien und Michael Knoll aus Stuttgart beigegeben.

Klein vertrat bei den ständigen Kontroversen den beachtenswerten Standpunkt, auch wenn an der Führung der ersten Eisenbahn des Landes durch Filstal nichts mehr zu ändern sei, so scheine es doch zweckmäßig und sinnvoll zugleich, ein Gegenprojekt zu erstellen. Das hatte erfreulicherweise zur Folge, auch den Weg auch die Täler von Rems, Kocher und Kreuz nach Ulm zu bearbeiten. Somit wurden die Eisenbahnpläne mit staatlicher Förderung trotz der Enttäuschung, nicht an der ersten Eisenbahn des Landes teilhaben zu können, gutgeheißen, denn die Sache kam wieder in das Gespräch.

Durch den Entschluß im Königreich Bayern, auf einen Anschluß und Übergang zu Württemberg in Nördlingen zu drängen, wurde stark für den Bau der Remsbahn in Richtung zu dieser benachbarten Bahn agiert. A. W. Beyse, »Civilingenieur und Architekt aus Cöln«, hatte im Auftrag der Anrainer des Brenz- und Remstales ein Gutachten angefertigt.

Die Baujahre der ersten Eisenbahnen in Württemberg datieren zwischen 1845 und 1853. Die Bahnen der ersten Zeit hatten sich durch eine günstige Finanzlage und gute Renditen ausgezeichnet. Dieser Umstand hatte schon bald zur Folge, daß Oberbaurat Gaab beauftragt wurde, unmittelbar mit weiteren Vorarbeiten zu beginnen und nachstehend aufgeführte Projekte zu entwickeln:

  1. Lonsee-Heidenheim-Aalen-Wasseralfingen,
  2. Plochingen-Reutlingen-Rottenburg,
  3. Eislingen-Gmünd-Aalen-Wasseralfingen.

Das »Lonsee-Projekt« verdient bei der Eisenbahngeschichte von Oberkochen besondere Aufmerksamkeit. Dieser Schienenweg sollte von der »Ostbahn« Stuttgart-Ulm in Lonsee abzweigen und in seinem Verlauf über Weidenstetten, Altheim und Heldenfingen die Ulmer und Heidenheimer Alb überqueren und anschließend ab Heidenheim im Brenztal und ab Oberkochen dem oberen Kocher entlang in Richtung Aalen und Wasseralfingen führen. Der Hauptzweck war die Anbindung der Standorte der Eisenindustrie wie Heidenheim, Königsbronn, Unterkochen und Wasseralfingen. Wenn auch der Bereich zwischen Heidenheim und Aalen einen unumstrittenen Anspruch auf Anbindung an den neuen Schienenweg hatte, so konnte das für die Heidenheimer Alb weniger gesagt werden. Diese Bedenken schlugen sich auch in den Debatten vor der Kammer der Abgeordneten nieder.

In den eingehenden Beratungen vor den Ständen kam das Lonsee-Projekt sehr schlecht weg. Besonders die Herren von Varnbüler und Moriz Mohl machten aus ihrer Abneigung gegen dieses Vorhaben keinen Hehl. Mohl gab deutlich zu verstehen, daß sich nur in den Gegenden Bahnen lohnten, in denen ein großes Verkehrsaufkommen zu erwarten sei. Bei einer in Lonsee abzweigenden Bahn könne von diesem erforderlichen Aufkommen keine


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