Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 409 / 494

 

nen Sondierungsgesprächen mit Termin vom 3. Januar 1836. Die logische Folge dieser Zusammenkunft bildete schließlich die Fusion der beiden Interessengruppen unter der neuen Bezeichnung »Württembergische Eisenbahngesellschaft«. Unter diesem Namen trat sie fortan vor die Öffentlichkeit. Immerhin wurden in der Folgezeit Aktien von 9,5 Millionen Gulden gezeichnet. Die staatliche Konzessionserteilung, mit der die Interessenten fest gerechnet hatten, blieb aber aus. Das hatte zur Folge, daß sich verschiedene Geldgeber zurückzogen, zudem bald klar wurde, daß das angesammelte Aktienkapital niemals für die Verwirklichung des anspruchsvollen Vorhabens ausreichen würde.

Die Stuttgarter Instanzen hatten richtig erkannt, daß das Projekt am besten in den Händen des Staates aufgehoben sei. Somit kam es zur Liquidation der Gesellschaft zum 31. Mai 1838. Die systematischen Vorarbeiten machte sich der Staat immerhin zunutze. Klar war schon in jenen Tagen, daß bei württembergischen Planungen privatwirtschaftliche Interessen und Spekulationen nichts verloren hätten und somit für den Bau von Eisenbahnen nur das Staatsbahnprinzip in Frage kommen könne.

Oberbaurat Bühler und Staatsrat Seeger wurden 1836 auf staatliches Geheiß damit beauftragt, zwei Projekte im Detail auszuarbeiten. Für die Verbindung von Stuttgart nach Ulm wurden grundsätzlich zwei Varianten bearbeitet, die eine über das Neckar- und Filstal, die andere von Cannstatt über Schorndorf, Gmünd, Aalen, Heidenheim und Sontheim nach Ulm.

Die ausgearbeiteten Varianten wurden bald eine Diskussionsgrundlage. Fachleute von internationalem Ruf wurden dann damit betraut, die Projekte eingehend zu begutachten. Damit wurde immerhin der Weg zu einer baldigen Verwirklichung geebnet.

Aus Wien wurde zur kritischen Überprüfung und Begutachtung ein bekannter Eisenbahnbauer, der Generaldirektor der Kaiser Ferdinands-Nordbahn und der Wien-Gloggnitzer Bahn, Alois von Negrelli, nach Stuttgart berufen.

Das von ihm erstellte Gutachten wurde von einer Sonderkommission kritisch überprüft. Über das Resultat hatte sie der Kammer Bericht zu erstatten. Das Ergebnis verlief positiv und beide Kammern sandten die Beschlüsse vom 22. März 1843 an den königlichen Geheimrat. Die bald darauf folgende Antwort war ein »königliches Sanktions-Reskript, auf die Beschlüsse der Ständeversammlung zu dem Entwurf des Eisenbahngesetzes« vom 3. April 1843.

Das erwähnte Gesetz enthält als wichtigsten Punkt das Staatsbahnprinzip, wenn es im Satz 1 heißt, »Es ist Aufgabe des Staates, die Hauptbahn des Landes als unmittelbares Staatsunternehmen zu bauen«.

Damit nun aber alles in Ordnung gehen solle, wurde in der Person des international anerkannten Zivilingenieurs Charles Vignoles aus London ein weiterer Gutachter bestellt. Sein Resultat sprengte den Rahmen und füllte drei Folianten. Da diese Erkenntnisse eher einer Enttäuschung entsprachen, wurde als


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]