Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 40 / 494

 

Rudolf Heitele

Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Oberkochen

Die Geschichte einer Kirchengemeinde kann, auch wenn sie chronologisch dargestellt wird, nicht lediglich Chronik sein, denn die Kirchengemeinde ist auch heute noch weit mehr als jede andere politische oder gesellschaftliche Körperschaft: In ihr findet der Weg des Menschen zu Gott seine Ausformung und Zielgerichtetheit. Der Gottesdienst und die Organisation des geistlichen und religiösen Lebens in der Gemeinschaft der »Heiligen« (um diesen schönen alten Ausdruck zu gebrauchen) sind die zentralen Anliegen, deren konkrete Ausprägung freilich in mühevoller und meist höchst alltäglicher Form erfolgen muß. Eine kleine Umfrage, was denn die Kirchengemeinde dem heutigen Menschen bedeuten könne, ergab immer wieder, daß dieser Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit von den Christen schmerzlich empfunden wird. Doch, dies die häufige Schlußaussage, fühle man sich durch die aktive Teilnahme am kirchlichen Leben »erhoben«. So darf denn auch für die Kirchengemeinde gelten, was St. Suger, der Erbauer von St. Denis bei Paris, über seine Kathedrale sagte: Sie sei »ein Ort, nicht mehr im Schmutz dieser Erde, aber auch noch nicht in der Reinheit des Himmels, so daß ich durch die Gnade Gottes an einen höheren Ort erhoben werden kann«.

Wir müssen, wenn wir den Weg unserer Kirchengemeinde durch die Zeit verfolgen wollen, davon ausgehen, daß ihre Geschichte lange Zeit identisch war mit der allgemeinen Geschichte unseres Gemeinwesens, später mindestens dessen bestimmender Bestandteil, den geistigen und wirtschaftlich-sozialen Umständen gleichermaßen ausgesetzt wie den machtpolitischen Pressionen der beiden Grundherrschaften. Nehmen wir jedoch alle diese Bezüge in unsere geschichtliche Betrachtung hinein, werden wir wohl mancherorts auf allerdings nicht unbegründete Rückschlüsse und Mutmaßungen angewiesen sein.

So kann heute niemand genau feststellen, wann und wie sich pfarrgemeindliches oder christliches Leben überhaupt in Oberkochen erstmals entwickelte. Sicher ist, daß die Geschichte Oberkochens, besser: »Kochens«, weit über die Jahre 1136, 1147 und 1150 zurückgeht, in denen »Kochen« die ersten Erwäh-


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