Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 394 / 494

 

Jahre später aber machte er sich selbständig und gründete in den Untergeschoßräumen seines Wohnhauses gegenüber der Unteren Mühle (Scheerer) eine Zimmerei. Da die Räumlichkeiten bald zu klein waren, wurde in den Jahren 1938/39 das Gebäude Kapellenweg 3 gekauft und umgebaut, bevor nach dem Zweiten Weltkrieg ein mächtiger Aufschwung zum Bau der jetzigen Betriebsanlagen führte. Seine heutige Prägung erhielt der Betrieb durch Zimmermeister und Architekt Willibald Mannes, der 1948 die Meisterprüfung ablegte und sich früh auf den Bau von Holztreppen aller Stilrichtungen spezialisierte. Als Autor von Fachbüchern, die in verschiedene Sprachen übersetzt worden sind, sowie als Leiter für Fachkurse, gibt er seine reichen Erfahrungen weiter und trägt so zu einem kontinuierlichen Fortschritt im Treppenbau bei. Die Glaserei Wingert war über hundert Jahre alt, bevor sie vor kurzem aufgrund unglücklicher Umstände ihren Betrieb einstellen mußte. Der Firmengründer, Michael Wingert, gehörte 1906 zu den Mitbegründern des Oberkochener Handwerkervereins. Sein Sohn Paul setzte sich von 1923 bis 1933 als Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins für die Belange von Handwerk und Handel ein.

Neben diesen traditionsreichen Handwerksbetrieben gibt es einige weitere, die in den nächsten Jahren ihre Firmenjubiläen begehen können und eine entsprechende Würdigung erfahren werden. Goldene Meisterbriefe erhielten in den letzten Jahren Schreinermeister Clemens Grupp, Altflaschenermeister Walter Borst und Altbäckermeister Karl Widmann (Storchabeck). Eine Ehrung ganz besonderer Art wurde der 19jährigen Andrea Sievers zuteil. Die Tochter von Malermeister Friedrich Sievers konnte 1978 den Preis einer Bundessiegerin im Malerhandwerk entgegennehmen und durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

 

Gute Beziehungen

»Der Stand der Gewerbetreibenden ist mit der Gemeindeverwaltung besonders eng verbunden und beide sind Gebende und Nehmende zugleich«, sagte der frühere Bürgermeister Gustav Bosch anläßlich einer Ehrung beim Gewerbe- und Handelsverein. »Die wechselseitigen Beziehungen wären aber nur verstandesbetont«, führte er weiter aus (BuG v. 5.2.54), »wenn sie nur die Steuerpflicht auf der einen und die Vergabe von Aufträgen auf der anderen Seite einschlössen. Veranstaltungen wie diese, oder etwa die Weihnachtsausstellung seien dazu da, die an sich nüchternen Beziehungen mit dem warmen Atem menschlicher Berührung zu durchdringen, mit einer Wärme, die manches Eis wegschmelzen könne, oder gar nicht erst gefrieren lassen brauche, die scheinbare Härten und wirkliche oder vermeintliche Unvollkommenheiten


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