Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 392 / 494

 

Oberkochener Handwerker haben Tradition

Viele Jahrzehnte ungebrochene Tradition können eine ganze Anzahl von Handwerksbetrieben vorweisen, wovon den ältesten noch einmal besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Das Bauunternehmen Wingert konnte 1982 sein 200jähriges Firmenjubiläum feiern und ist damit der älteste noch bestehende Handwerksbetrieb in Oberkochen.

1782, dem Jahr, als Franz Anton Wingert die ersten Bauten errichtete, dürften alten Pfarrbüchern zufolge, in Oberkochen gerade 800 Seelen gelebt haben. Wer bauen wollte, mußte die Steine unter schwierigsten Bedingungen aus den Brüchen des heimischen Jurakalkes holen und mit Hammer und Meißel zu Quadern bearbeiten. Man findet diese Steinbrüche heute noch in den Hängen um Oberkochen. Einige dieser handbehauenen großen Sockelquader aus dieser Zeit befinden sich übrigens im Fundament der Kath. Kirche. Der Mörtel bestand hauptsächlich aus Straßenabraum, der sehr kalkig war. Später wurden zur Mörtelaufbereitung in Erdlöchern Kalksteine mit Holzfeuerung gebrannt und abgelöscht. Ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden immer höhere Anforderungen an das Unternehmen gestellt, da in der Zwischenzeit eine kleine Werkzeugindustrie heranwuchs. Johannes Wingert (1846-1929) beschäftigte damals bereit 10 Gehilfen und war an den Bauarbeiten der Bahnstrecke, die 1864 in Betrieb genommen wurde, maßgeblich beteiligt. In den Wintermonaten war man mit Waldarbeit beschäftigt und wenn an Wochenenden Musik zu Hochzeitsfesten gebraucht wurde, dann holte man auch gerne Maurermeistersgehilfen, die mit ihren Blasinstrumenten zum Tanz aufspielten. Heute stellt sich das Bauunternehmen Wingert, geführt von Franz Wingert sen. als moderner Baubetrieb mit einem der technischen Entwicklung entsprechenden Maschinenpark dar. Zu den Maurerarbeiten kam zwischenzeitlich der Beton- und Stahlbetonbau, der sorgfältigste Ausführung verlangt. Vor wenigen Jahren entstand im Gewerbegebiet »Schwörz« ein moderner Bauhof, der auf eine weitere Expansion des Unternehmens ausgelegt ist.

Gerade halb so alt, aber immerhin ins 107. Jahr seines Bestehens geht der Holzbaubetrieb Bernhard Brunnhuber, der vom Sohn des Maurers Sebastian Brunnhuber im Jahr 1879 in der damaligen »Langgasse« und heutigen Heidenheimer Straße als Zimmerei gegründet wurde. Die Vorfahren waren nach dem Dreißigjährigen Krieg als Söldner aus der Steiermark eingewandert und wurden hier seßhaft. Zur Zeit der Gründung baute man im 1100 Einwohner kleinen Oberkochen noch sehr wenig Häuser, so daß die Mitarbeit am Turm der kath. Kirche sehr bedeutsam war. Auch beim Zimmermeister und seinen Gesellen hing die Ernährung der Familie in den Wintermonaten von der Waldarbeit ab. 1903 wurde Bernhard Brunnhuber als selbständiger Zimmermeister in die Handwerkerrolle der Handwerkskammer Ulm eingetragen. Wohnhaus


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