Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 382 / 494

 

Fischer nicht führen wolle. Die Beschaffung des Startkapitals war ein weiteres Hindernis, verlangten die Banken doch für jede tausend Mark Kredit, dreitausend Mark Sicherheit. Ende der 40er Jahre war es dann mit dem Schutz des Einzelhandels vorbei. Die bestehende Gewerbeordnung wurde aufgehoben und die Gewerbefreiheit wieder eingeführt. Eine Genehmigung war nun nicht mehr notwendig, ein Gewerbe brauchte nur noch angezeigt zu werden. »Endlich ist der alte Zopf ab« mochte sich da manch einer gedacht haben, dessen Existenzgründung seither verhindert war. Inzwischen aber hatte sich die Firma Zeiss angesiedelt, die bald mehrere tausend Menschen beschäftigte. Eine ganze Reihe auswärtiger Geschäfte sah sich nun veranlaßt, in Oberkochen Filialen einzurichten. Viele hatten sich jedoch verkalkuliert und gaben wieder auf. Doch die ortsansässigen Geschäfte waren weiterhin beunruhigt und ein Brief des Gewerbe- und Handelsvereins an den Landesverband, in dem eine Klärung in der Frage der Gewerbefreiheit erbeten wurde, gibt uns davon Kunde. Es kursierte offenbar das Gerücht, daß die alte Gewerbeordnung mit Genehmigungspflicht wieder in Kraft gesetzt werden sollte, was die kleine Oberkochener Geschäftswelt beruhigt hätte. Aber es war eben nur ein Gerücht und Handwerk und Handel schienen einer ungewissen und unsicheren Zukunft entgegenzugehen.

Möglicherweise ist es diesem Umstand zu verdanken, daß man im Oberkochener Gewerbe schon früh um die Kunden zu kämpfen begann. Viele gute Ideen wurden, wie so oft, am Stammtisch geboren. Da hatte Elektro-Ingenieur Wilhelm Fritscher 1952 den Einfall, in einer Weihnachtsausstellung die Leistungsfähigkeit des Oberkochener Gewerbes zu zeigen, womit der Einwohnerschaft bewiesen werden sollte, daß die Oberkochener Geschäfte »mit einer großen Auswahl und der Vielseitigkeit ihres Warensortimentes von bester, einwandfreier Qualität und der gebotenen Preiswürdigkeit zu jeder Zeit in der Lage sind, allen Ansprüchen und Wünschen gerecht zu werden ..., daß die Zeit vorbei ist, wo man es für unumgänglich notwendig hielt, die Einkäufe unter allen Umständen auswärts zu tätigen« (BuG v. 27.11.53). Interessant liest sich aus heutiger Sicht der Aufruf des Gewerbe- und Handelsvereins zu der Weihnachtsausstellung 1953 an gleicher Stelle: »Wer auswärts kauft, gibt sein Geld, das er durch seine Arbeit bei einem hiesigen Unternehmen verdient hat, einem, der mit unserer Gemeinde nichts zu tun hat, und der seine Gewerbesteuer an einem anderen Platz zahlt zum Nutzen einer fremden Gemeinde ... Wir haben unsere Ausstellung so frühzeitig gelegt, daß jeder Aussteller leicht die Möglichkeit hat, Ihnen irgend einen besonderen Wunsch, etwa ein Extramuster, eine spezielle Packung oder eine Sondergröße so rasch zu bestellen, daß diese rechtzeitig vor dem Fest in Ihrem Besitz ist.« Robert Wolff fügt dem hinzu: »Beachten Sie, daß in den Wochen vor Weihnachten die ganze Auswahl zur Verfügung steht ... Denken Sie auch an das Verkaufspersonal, das in dieser Zeit besonders stark beansprucht wird, denn auch diese Menschen sol-


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