Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 381 / 494

 

ein Gipsergeschäft ein. 1926 ließ sich Erwin Wanner (Schaber) als erster hauptberuflicher Friseur nieder und löste Josef Elmer ab, der bislang so nebenher für den Großteil der Oberkochener Köpfe zuständig war. Im selben Jahr begann im elterlichen Haus, Katzenbachstraße 2, Paul Unfried eine Buchbinderei, ehe er 1929 das alte Mindersche Anwesen, Langestraße 176, erwarb, neu aufbaute und ein Ladengeschäft für Schreibwaren, Bücher und Spielwaren eröffnete. Paul Unfried erhielt auch die erste Genehmigung für eine Drogerie in Oberkochen. Das Geschäft ist heute das älteste noch bestehende Einzelhandelsgeschäft im Ort und wird vom Sohn des Gründers, Karl Unfried, geführt. Im Katzenbach gab es 1928 mit Paul Balle einen Fahrradmechaniker, der auf diesem Gebiet das Vielseitigkeitstalent Josef Elmer entlastet hat, der nicht nur Fahrräder reparierte und Installationsarbeiten aller Art ausführte, sondern auch mit dem »Dampflokomobil« Getreide drosch, eine Holzsäge betrieb, daneben die »Krone« bewirtschaftete und manches andere mehr. 1931 machte sich Clemens Grupp als Schreiner und Glaser im elterlichen Anwesen selbständig, 1934 gründete Walter Borst sen. seine Flaschnerei. Rudolf Lebzelter erwarb 1939 von der Firma Leitz das Gebäude Kreuzmühle 16 und baute es zu einer Wäscherei und Plätterei um.

Die Kriege selbst bildeten tiefgreifende Einschnitte, die viele Betriebe durch Kriegsdienstpflicht und Arbeitseinsatz, Inflation sowie der allgemein ungünstigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse ruinierten und zum Neuanfang zwangen. So kann man davon ausgehen, daß die heutige Struktur von Handwerk und Handel in Oberkochen im wesentlichen von der Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt ist.

 

Schwieriger Neubeginn

Recht beschwerlich war für viele ein Neuanfang in den ersten Nachkriegsjahren. Die noch aus der nationalsozialistischen Zeit überkommene Gewerbeordnung beinhaltete einen Passus zum Schutz des Einzelhandels und nicht jeder konnte beginnen, was er wollte. Wer ein Gewerbe betreiben durfte, mußte der Gemeinderat entscheiden. So berichtet Textilkaufmann Josef Krok über seinen Anfang 1945 in Oberkochen, nachdem er zuvor in Ellwangen abgewiesen worden war. Der Oberkochener Gemeinderat mit Bürgermeister Frank sei in seiner Entscheidung, ihm die Erlaubnis für ein Textilgeschäft zu geben, eingeengt gewesen. Die Ratsmitglieder hatten nämlich Schneidermeister Fischer, der sich noch als Soldat in Gefangenschaft befand, bereits die Zusage gemacht, bei seiner Heimkehr ebenfalls mit dem Textilgeschäft beginnen zu können. Ein kleiner Ort wie Oberkochen, der nun etwa 2500 Einwohner hatte, konnte nicht zwei Geschäften der gleichen Branche ausreichendes Auskommen sichern. Die Genehmigung sei schließlich doch gegeben worden, aber mit der Auflage, daß er nur die Artikel führen dürfe, die Schneider


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