Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 38 / 494

 

Die Christianisierung
(ab dem Ende des 7. nachchristlichen Jahrhunderts)

Die späteren Bestattungen des 7. Jahrhunderts im Oberkochener alamannischen Gräberfeld fallen mit der beginnenden Christianisierung des späten Vor-Oberkochens zusammen. Die Gräber aus dieser Zeit sind aufgrund des neuen Glaubens ohne Grabbeigaben. In anderen Friedhöfen unserer Gegend finden sich aus dem 2. Drittel des 7. Jahrhunderts kleine Goldblattkreuze, aus dünnem Goldblech gefertigt und auf Tuch aufgenäht. Sie wurden allerdings nur reichen Personen mit ins Grab gegeben; ärmere mußten sich mit Stoffkreuzen begnügen, die selten nachgewiesen werden können. Goldblattkreuze fanden sich zum Beispiel in Sontheim/Brenz, Neresheim, Ulm. In Oberkochen konnte bislang noch keines nachgewiesen werden.

Bis zum mächtigen romanischen (Beißbarth und Früh) untersten Sockel des Kirchturms der katholischen Kirche »St. Peter und Paul«, nachweislich früher nur »St. Peter« genannt, — der Name weist auf eine sehr frühe Kirche — oder Kirchengemeindegründung hin, — bis zu diesem gewaltigen Steinbauwerk aus dem Bereich der Sakralarchitektur, das die Bedeutung Oberkochens vor der ersten urkundlichen Erwähnung unterstreicht, und der vor der 1. urkundlichen Erwähnung im Jahr 1337, also noch im 13. Jahrhundert, entstanden sein muß, — bis hin zu diesem Bauwerk also sind es von den letzten nachweisbaren Alamannengräbern 500 Jahre unaufgehellter Zeit.

Es bleibt nur, einen Blick auf diese mit Sicherheit älteste erhaltene architektonische Spur aus Stein im unmittelbaren Stadtgebiet zu werfen. Mit Staunen betritt man den Turmsockel von der rechten Seite der Vorhalle aus durch einen verwinkelten Verbindungsbau. Eine enge romanische Rundbogentür führt in das Turminnere, das von hier aus keine Treppenverbindung in die später umgebauten oberen Turmgeschosse hat. Durch eine winzige, nach innen größer werdende, rundbogige Fensteröffnung fällt ein geheimnisvolles Licht durch die in diesem Bereich fast zwei Meter dicke Turmmauer. Ein höchst beachtenswerter »Brocken« Geschichte, aus dem mit einigen guten Argumenten geschlossen werden kann, daß die Kontinuität in der Bebauung zwischen dem alamannischen Oberkochen und dem historisch belegten Oberkochen des hohen Mittelalters bestanden hat. Die Christianisierung ist durch die Grabung von 1980 belegt. Eine kleinere aus Stein errichtete Vorgängerkirche der romanischen Peterskirche, kann aufgrund des Kirchpatrons »St. Peter« ebenfalls angenommen werden. Sie müßte im 9. Jahrhundert entstanden sein.

Was aber geschah nun während des halben Jahrtausends vor der Errichtung der ersten großen Sakralarchitektur? Diese Zeit bleibt uns vorerst verschlossen; — nicht umsonst spricht man vom »finsteren Mittelalter«. Es gibt hier bis jetzt weder Urkunden noch Funde — bis auf zwei Scherben von irdenen töpferscheibengedrehten größeren bauchigen Gefäßen, die wir 1979 bei unseren Arbeiten in der Höhle am Griebigen Stein auf den Spuren des »Höhlendak-


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