Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 379 / 494

 

Franz Uhl

Handwerk und Handel

»Im Anfang hieß Bürger Insasse einer Burg sein; Hörige hatten im Dienst eines Großen ihr Handwerk zu üben und durften im Schutz seiner Torwächter wohnen. Als danach die Burg eine Stadt hieß, weil aus dem Troß der Großen ein Hof und aus den Insassen eine Bürgerschaft wurde, hielten die Handwerker treulich die Schranken der Herkunft in Ordnung... Die Zunftehrbarkeit hielt Werkzeug und Arbeitsgebrauch heilig; wie die Schwertleite den Ritter, so machte der Zunftbrief den Meister; Geselle und Lehrling waren ihm Knappe und Page, und die Zunftstube war der Saal seiner Ehre... Denn nur auf ehrliche Arbeit durfte der Meister den Wohlstand gründen. Todsünde war Gewinn aus Handel und Zins, tauschen und täuschen galt gleich vor der Zunft. Stuben der Selbstgenügsamkeit standen im Schatten der höfischen Hallen, bescheidene Hände hielten dem Ritter die Steigbügel hin: aber die Zucht gab der Sitte die Tür, hier wie dort war der Mann noch ein Wort, die Ehrbarkeit war die redliche Magd der Ehre...«

Wen könnten die Verse des Erzählers Wilhelm Schäfer (1868-1952), die er »Die Zunft« überschrieb, nicht zum Nachdenken verleiten? Sie sollen hier in ein kleines Kapitel einführen, das man mit »Freud und Sorg rühriger Menschen im Handwerk und Handel« bezeichnen möchte. Handwerk und Handel heute, ein Schuß Geschichte und Zukunftsperspektive, aber ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Ein Blick zurück...

zeigt uns zunächst, daß das Handwerk schon um die Jahrhundertwende neben der Landwirtschaft eine der wichtigsten Erwerbsquellen in Oberkochen war. So zählte man um 1910 in der etwa 1200 Einwohner großen Gemeinde neben einer Reihe von Bohrermacherwerkstätten (s. Vom Dorf zur Industriegemeinde) 64 selbständige Handwerksmeister in 21 verschiedenen Innungen:
17 Häfner: s. Häfnergeschichte
5 Schreiner: Karl Fischer, Michael Frank, August Hug, Josef Mauser, Karl Speth
5 Schuhmacher: Josef Brunnhuber, Karl Holz, Christian Kopp, Johann Kopp, Josef Trittler
3 Bäcker: Willibald Geissinger, Georg Wannenwetsch, Karl Widmann (Storchabeck)


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