Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 374 / 494

 

4.) Wenn Kinder vor Tatendrang fast nicht zu bändigen waren, drohte man ihnen mit tiefer Stimme: »Wenn der GRUBWIRTSFRANZMANN kommt aus den Mazedonen!« Dies half fast immer. — Im Gasthaus »Grube« hängt im Gastraum ein schönes Bild von ihm, der im Ersten Weltkrieg in Mazedonien eingesetzt war.

5.) Der alte Fabrikant GRUPP marschierte täglich nach dem Mittagessen so gegen viertel zwei von der Wohnung zur über einen Kilometer entfernten Fabrik, in Richtung Königsbronn. So mancher Wanderbursche, Handwerksbursche war damals auf der Straße unterwegs; sie waren auf der »Walz«. Eines Tages wurde der einfach gekleidete Fabrikant mit hartgearbeiteten Händen von so einem Wandergesellen in Nähe der Fabrik angesprochen: »Grüß dich Kollege, woher? Wohin des Wegs? usw.« darauf der alte Herr: »Was? Kollege? — Dau staht mei Fabrik!« Und zum Kocherkanal weisend erklärte er, daß da lauter Benzin laufe, denn da drinnen habe ich eine Turbine, die die ganze Fabrik antreibt, lauter Benzin!« gab ihm ein Geldstück.... ade!

6.) Zur KLARA-BETE brachten im Sommer die Himbeerleute ihre Ernte. Die süße Ware wurde in Litern gemessen und bezahlt — Beerensammelstelle. So gab es bei den vielen kinderreichen Familien doch ein kleines Zugeld. Die Bete fuhr auch mit einem großrädrigen Kinderwagen Hafnereierzeugnisse zur Kundschaft in die Stadt. Sie war so — mit ihrer Gesprächigkeit verbunden — gewiß ein Oberkochener Original. Erzählt wird folgende familiäre Begebenheit: Die Bete war mit ihrer Ware auswärts. Ihr Mann, der KLARA, mußte des Abends die Kinder versorgen und schamberte nach dem Abendessen allesamt ins Bett. War da doch ein Kerlchen, das nicht parieren wollte. Mit etlichen Hieben aufs Gesäß klappte es doch. Als die Bete heimkam, die Kinderschar musterte, kam es auf: der widerspenstige Bub gehörte ja dem Nachbarn...

7.) Pfingstmarkt war in Oberkochen. Vor der alten Schultese (Schultheißin) ihrem Haus war ein LUKAS aufgestellt. Schon Vormittags stand der alte JOOSS — damals noch bei besten Manneskräften — beim Lukas, beäugte ihn — fragt der Lukas-Mann, ob er hauen wolle — »ja, schon, aber« — »i schlag dr n ja doch kaputt« — »Was?! Den haust du nit zemma! Kannst haua !« Der Jooß holt aus, haut darauf, es schellt oben kurz und schon ist er hin, der Lukas! Dem Lukasmann kommt das Weinen, packt die Trümmer ein, geht mit Schaden heim. —

Beim Jooß seiner Leich war der Sarg mit zwei gekreuzten Gewehren geschmückt — Jooß war Veteran von 1870 gewesen.


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