Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 35 / 494

 

nicht überall so groß war wie im untersuchten Ausschnitt.« In diesem Bericht wird auf 2 Pfostenlöcher eines Holzbaus hingewiesen (24 cm starke Holzpfosten). Weitere Bauteile hierzu sind leider mit dem Baugrubenaushub verschwunden oder liegen unter dem damals bereits fertiggestellten Garagenboden, gegebenenfalls unter der Frühlingsstraße. So kann der einzige Holzbau Oberkochens aus dieser Zeit, dem, da er sich unmittelbar im Gräberfeld befunden hatte, unter Umständen unter den Vorzeichen der später einsetzenden Christianisierung größere Bedeutung hätte zukommen können, archäologisch nicht mehr klassifiziert werden.

Dr. Stork bezeichnet das wissenschaftliche Ergebnis dieser Ausgrabung in seinem Bericht als von »überörtlichem Interesse«.

Die Ausgrabungen in der Frühlingsstraße haben den Verfasser ermuntert, eine Bestandsaufnahme aller bisherigen Spuren im Zusammenhang mit diesem großen Friedhof zu erarbeiten, zumal immer wieder neue Hinweise an der Grabungsstelle eintrafen.

  1. um 1900: Reihengräber Haus 8 Keltenstraße. Sie führten allem Anschein nach durch Mißdeutung zu der Bezeichnung »Keltenstraße«. Von diesen Funden erfolgte keine Meldung ans Landesdenkmalamt — sonst hieße die Straße heute mit absoluter Sicherheit »Alamannenstraße«.
     
  2. 1917: eine Reihe von Gräbern auf einem Grundstück in der Nähe von Haus 14 Keltenstraße. Auch hier erfolgte keine Meldung ans Denkmalamt.
     
  3. 1922: Reihengräber Haus 17, Dreißentalstraße. Vermerk des LDA: Im Dreißental etwa 500 m nordöstl. vom Ölweiher (siehe 4) wurde beim Wasserleitungsbau ein Richtung Osten gerichtetes Skelett mit 2 Kurzschwertern (sax) in 1,20 m Tiefe angetroffen. Funde kommen in Besitz von Baurat Peter (verst.), Schwäb. Gmünd. Anmerkung DB: Das LDA hat versehentlich eine diesbezügliche Mitteilung von Schultheiß Frank, Oberkochen, vom 7. Mai 1923 nach 1922 datiert. So wird auch der Verweis auf die späteren Funde beim Ölweiher 1923 erklärlich, die auch bei Veek aufgeführt sind.
     
  4. 1923: Reihengräber beim Ölweiher Brunnenhalde. Vermerk des LDA (Dr. Zeller): Anfang Februar 1923 7 Skelette auf dem Anwesen der Gebrüder Leitz, davon 1 mit Lanzenspitze. Mitteilung Professor Greßler. Anmerkung DB: Der Bereich, in dem diese außerhalb des Ortsgräberfeldes befindlichen Gräber angelegt waren, wurde 1982 durch einen gewaltigen Neubau der Firma Carl Zeiss überbaut. Der Verfasser hat den Fortgang der Tiefbaumaßnahmen verfolgt und keine weiteren Gräber festgestellt.
     
  5. 1937: Reihengräber Haus 9 Jägergäßle. Fundberichte des LDA. Neubau Betzler, Metzger und Wirt. Eine von Oscar Paret persönlich unterzeichnete Notiz besagt, daß am 15.6.1937 in der Kellergrube in 1,20 m Tiefe sechs Gräber zu erkennen sind. Außer Sarg und Messer keine Beigaben. Ein Aufdecken der Gräber erschien wegen Bauarbeiten und dem wenig festen Boden nicht lohnend. Interessant ist, daß Oscar Paret bereits in seinem Bericht von 1937 einen weiteren Friedhofsteil im Norden von Oberkochen vermutet. Seine Vermutung wurde 43 Jahre später bestätigt.
     
  6. 1952: Pferdeknochenfunde und drei bis vier menschliche Schädel beim Bau des Kinos in der Dreißentalstraße. (Pferdegrab von den Adeligen?) Nicht gesichert. Der Fund wurde seinerzeit bedauerlicherweise nicht ans LDA gemeldet. Anmerkung: Pferdegräber und Gräber von Adeligen wurden häufig abseits der eigentlichen Friedhöfe angelegt. Möglicherweise wurden hier wichtige Spuren Oberkochener Geschichte für immer verwischt. (Ortsadel?)
     
  7. 1956: Reihengräber beim Haus 14 Keltenstraße. (Eber/Kurz). Drei Gräber aus dem 7. Jahrhundert, darunter eines mit reichen Grabbeigaben, die sich heute in Aalen befinden. (Bericht Dr. Binder an LDA)
     
  8. 1957: Reihengräber beim Garagenbau zum Haus 8, Keltenstraße. Keine Meldevermerke beim LDA.
     
  9. 1966: Reihengräber bei Kanalisationsarbeiten — Fabrikerweiterung Keltenstraße zwischen Haus 14 und Haus 8. Meldevermerke beim LDA liegen nicht vor. Anmerkung: Dem Gymnasium wurden seinerzeit drei sehr stark korrodierte Teile eines Langschwerts (spatha) und eine zwar ebenfalls korrodierte aber sonst gut erhaltene Lanzenspitze übergeben. Diese beiden Fundstücke hat der Verfasser dem Landesdenkmalamt zur Konservierung übersandt und hervorragend präpariert zurückerhalten.
     
  10. 1980: 94 (ca. 130) Reihengräber im Grundstück Haus 3 Frühlingstraße (Stelzenmüller). (Siehe Fundberichte aus BW Bd. 10, 1985).

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