Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 326 / 494

 

Der Turm stand über dem Signalstein am höchsten Punkt des Berges. Seine Grundfläche betrug 20 und seine Fläche oben vier Quadratmeter. Bald war der Holzturm jedoch baufällig geworden und ohne Gefahr nicht mehr zu besteigen. 1905 wurde er gesperrt und 1911 von einem Sturm aus dem Gefüge gerissen und niedergelegt. Vom alten Holzturm war zu sehen: Burgberg, Flexener, Wellerstein, Hesselberg mit den glänzenden Kalkfelsen; im Südwesten die hochgelegenen Aalbuchdörfer Gerstetten, Dettingen, Hausen o.L., Böhmenkirch und Steinenkirch. Bei klarster Witterung sah der Wanderer die Ulmer Münsterspitze, die Oberstdorfer Alpen bis zur Benediktenwand und die Schneehäupter vom Säntis bis zur Zugspitze.

Es sollte nach der Zerstörung des alten Holzturmes fast zwei Jahrzehnte dauern, bis sich ein neuer Turm auf dem Berg erhob. Die Not des Ersten Weltkrieges verhinderte einen Neubau und die Inflation von 1923 beraubte die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins fast des gesamten angesparten Vermögens. Der Hauptförderer des Turmbaugedankens war Fabrikant Fritz Leitz. Zu Beginn des Jahres 1929 lagen Fritz Leitz mehrere Entwürfe für den Bau eines neuen Turmes vor. Der Albverein wollte einen möglichst schlichten und möglichst kostengünstigen Turm bauen. In Absprache mit der Staatlichen Bauberatung in Stuttgart wurde der Entwurf von Architekt Otto Schmid aus Gingen a.d. Brenz angenommen. Schmids Kostenvoranschlag belief sich im Januar 1929 auf 23 000 Mark; nämlich 14 000 Mark für den Bau, 1000 Mark für die Fenster, 1000 Mark für die Türen, Treppengeländer, Kupferabdeckung der Ecken und des Eingangs, Bänke und Tische. Dazu kam die Leistung der Bauherrschaft von 7000 Mark (Schotter- und Zementlieferung 5000, Beifuhr 1000, Wasserzufuhr 1000 Mark). Das Architektenhonorar betrug 8%.

Wegen einiger Bedenken wegen der relativ hohen Kosten versuchte der Verein den Aufwand zu kürzen. Dann wurde der Bauauftrag der Eisenbetonfirma Jakob Vogt in Ulm in Verbindung mit dem Baugeschäft Heinrich Aisslinger in Aalen vergeben, die Bauaufsicht führte Architekt Schmid. Obwohl die Endrechnung den Kostenvoranschlag noch um 6000 bis 7000 Mark überstieg, wurde mit dem Bau noch im selben Jahr begonnen. Das war möglich, weil Fabrikant Fritz Leitz die Bausumme bis 1930 vorstreckte. Die Gemeinde Oberkochen steuerte 2000 Mark bei und überließ dem Albverein das Steinmaterial und das Verfügungsrecht über das Gelände im Umkreis von 50 Metern um den Turm. Der Rohbau machte dank der tatkräftigen Mithilfe vieler Albvereinsmitglieder und dank der günstigen Witterung rasche Fortschritte und wurde an Allerheiligen (1.11.) 1929 vollendet. Im November und Dezember desselben Jahres wurden die Innenarbeiten verrichtet, die Wasserspeier angebracht und im neuen Jahr der Raum im Eingangsbereich hübsch hergerichtet.

Der Turm wurde von Ulmer und Oberkochener Arbeitskräften unter Werkführer Deißler erstellt. Die Berghüte diente den Auswärtigen als Koch- und


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