Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 322 / 494

 

in Unterkochen erreicht. Die Oberkochener Einigung diente ihrerseits dann als Vorbild für die Klärung der Rechtsverhältnisse in Essingen 1868.

Die Oberkochener Übereinkunft von 1866 kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie verhinderte bis auf den heutigen Tag die Aufteilung der Realwaldungen, was in den meisten Landesteilen der Regelfall war und heute große Strukturprobleme in Form von kleinstparzellierten Wäldern schafft. Die umgekehrte Lösung, der Übergang des Waldes an die Gemeinde, hätte diese in jahrzehntelange Schulden gestürzt, hätte nun doch sie die Nutzungsrechte der Realberechtigten abfinden müssen.

Nicht zuletzt führte die Rechtsbereinigung auch zu einer Verbesserung der Waldwirtschaft. In der Zeit der unklaren Eigentumsverhältnisse waren die Wälder nämlich arg heruntergewirtschaftet worden.

Nun gründeten die seitherigen Gemeinderechtsbesitzer noch im Jahre 1866 die Realgenossenschaft, die bis heute Eigentümer der Waldungen ist, und an der auch heute noch 93 Anteile (Realrechte) bestehen, die nach wie vor überwiegend im Besitz Oberkochener Bürger sind.

Die neue Genossenschaft unternahm große Anstrengungen, die Wälder wieder instandzusetzen, insbesondere durch Aufforstung und Beschränkung der Nebennutzungen. In diesem Jahrhundert schließlich ging man auch vom alten Niederwaldbetrieb über zum Hochwaldbetrieb, dessen Wirtschaftsziel hochwertiges Stammholz und nicht nur Brennholz ist.

Vieles gäbe es noch über die Entwicklung der Genossenschaft und über die Wandlungen in der Waldbewirtschaftung seit ihrer Gründung zu berichten. Das würde aber den Rahmen dieses Beitrages sprengen.

Ohne Zweifel kann Oberkochen aber stolz sein auf die lange Tradition, die in der Realgenossenschaft bis heute fortbesteht.

 

Quellen:

Unterlagen aus den Archiven der Realgenossenschaft, der Stadt Oberkochen, des Forstamts Oberkochen und den Landesarchiven Stuttgart und Ludwigsburg.
Ausführliches Quellenverzeichnis bei Chr. Schurr, »Vom Nutzungsrecht zum Waldbesitz«, Diplomarbeit, Forstwiss. Fakultät, Universität Freiburg i.Br., 1985


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