Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 321 / 494

 

ses Sinneswandels war, daß der Wald in dieser Zeit eine lukrative Einkommensquelle war, die die Finanzierung der wachsenden Auf- und damit Ausgaben der Gemeinden wesentlich erleichtert hätte.

Die Gemeindeaufsichtsbehörden, das Oberamt in Aalen und die Kreisregierung in Ellwangen, lehnten deshalb mehrfach die Wünsche der Realberechtigten nach einer getrennten Verwaltung ab und versuchten alles, um das Eigentum an den Allmenden der Gemeinde zu sichern. Dabei stießen sie auf den erbitterten Widerstand der Gemeinderechtsbesitzer und im übrigen auch des Schultheißen, Gemeinderats und Bürgerausschusses, die allesamt selbst Realberechtigte waren und seitens der Gemeinde erklärten, die Gemeinde erhebe keinerlei Eigentumsansprüche auf den Realgemeindebesitz.

Zahlreiche Beschwerden der Gemeinderechtsbesitzer, die teilweise bis zum Innenministerium liefen und Drohungen, den Rechtsweg zu beschreiten, andererseits Verwarnungen der Gemeindeaufsichtsbehörden an die Gemeindeorgane und fruchtlose Maßnahmen zur Eintragung eines Eigentumsanspruchs der Gemeinde im Grundbuch bestimmten das Geschehen bis 1865, ohne daß der Streit hätte beendet werden können.

Noch dramatischer verlief es in einigen Nachbarorten wie Essingen oder Lauterburg, wo die gleiche Auseinandersetzung mehrfach bis vor die Gerichte getragen wurde, die dann meistens das Eigentumsrecht der Realberechtigten an den Wäldern anerkannten.

Schließlich kam es 1866 in Oberkochen zu einer Einigung zwischen realberechtigten und nichtberechtigten Bürgern, Gemeinde und Gemeindeaufsichtsbehörden, die zwar die Frage nach dem seitherigen Eigentumsrecht nicht klärte, aber für die Zukunft eindeutige Verhältnisse schuf. Dabei wurde der bisherige Gemeinderechtsbesitz geteilt und das Eigentum dem jeweiligen Hauptnutznießer zugesprochen. Die Gemeinde erhielt den Volkmarsberg und die Heide, von wo sie seither den Schafweidepachtzins bezogen hatte, dazu die erst im 19. Jhdt. in Gemeindebesitz gelangten Bilz- und Riesenmähder und das Sixenfeldle.

Durch Aufforstung dieser Flächen entstand im Laufe der Zeit wieder ein ansehnlicher Gemeindewaldbesitz.

Die Realberechtigten erhielten die Wälder zu eigen, mußten sich aber verpflichten, diese gemeinschaftlich zu bewirtschaften und nicht aufzuteilen. Außerdem mußten sie den nichtberechtigten Oberkochenern auch weiterhin die ihnen bis dahin schon zustehenden Nutzungsrechte (Leseholz und Buchelsammeln, etc.) gewähren und der Gemeindekasse eine Abfindung von 16 000 Gulden für die bisher von der Gemeinde aus dem Wald bezogenen Nutzungen (Schulhausholz, Hirtenholz, etc.) bezahlen.

Das Zustandekommen dieser pragmatischen Einigung war das persönliche Verdienst des Ellwanger Regierungsrates Weinheimer, der als Vermittler die Verhandlungen geleitet hatte. Eine ähnliche Übereinkunft hatte er kurz zuvor


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]