Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 320 / 494

 

werde. Die Beschränkung, deren Zeitpunkt nicht genau bekannt ist, muß aber damals schon einige Zeit zurückgelegen haben, sonst hätte Württemberg wohl kaum diese Benachteiligung seines Pfarrers hingenommen. Aber so mußte auch der evangelische Pfarrer auf ein Gemeinderecht solange warten, bis seine Herrschaft zu Beginn des 18. Jhdts. ein Anwesen in Oberkochen erwarb und ihm mitsamt der darauf liegenden Gemeindegerechtigkeit überließ.

Der katholische Pfarrer in Oberkochen war dagegen stets im Besitz eines solchen Rechts gewesen.

Die Gemeinderechtsverhältnisse in Oberkochen konnten sich auch über den Dreißigjährigen Krieg hinweg erhalten, obwohl ein Großteil der Bevölkerung diese Schreckenszeit nicht überlebte.

Im 18. Jhdt. gab es jedoch einige Veränderungen. Spätestens damals wurde es üblich, daß Gemeinderechte geteilt werden konnten, wenn etwa im Rahmen einer Erbschaft auch der Hof aufgeteilt wurde. Die ersten halben und vierteln Rechte entstanden in dieser Zeit.

Im Aalener Protokoll von 1749, einem Vertrag zwischen den beiden Dorfherrschaften Württemberg und Ellwangen, in dem sie ihre Rechtsbeziehungen in Oberkochen regelten, wurde schließlich im Einvernehmen mit der Gemeinde die Zahl der Gemeindegerechtigkeiten auf 93 erweitert, indem einige in der Zwischenzeit neuentstandene Höfe damit ausgestattet wurden. Damit war die endgültige Zahl der Rechte, die in den 93 heutigen Realrechten fortbestehen, erreicht.

Für die Realgemeinde bedeutungsvoll waren die Veränderungen, die das 19. Jhdt. brachte.

In dem Maß wie in Oberkochen das Gewerbe und die Handwerker an Bedeutung gewannen (Hafnerei, Bohrermacher), wuchs die Bevölkerung stark an. Die neue staatliche Ordnung brachte zudem eine Liberalisierung der Aufnahme in das dörfliche Bürgerrecht und damit der Mitbestimmung in der Gemeinde.

Bisher waren die meisten Gemeindebürger auch Gemeinderechtsbesitzer gewesen. Deshalb war es auch nicht nötig gewesen, die Verwaltungen der Gemeinde und der Realgemeinde zu trennen.

Nun aber wurde es immer offensichtlicher, daß die Realberechtigten irgendwann nicht mehr die Mehrheit der Dorfbürgerschaft und des Gemeinderats stellen würden. Wie auch in Essingen, Unterkochen und anderen Orten beantragten die Realberechtigten deshalb 1838 erstmals beim Oberamt eine getrennte Realverwaltung.

Der Staat hatte bis in die 1830er Jahre die Ansicht vertreten, daß es sich bei dem Besitz der Realgemeinden um gemeinschaftliches Privateigentum der Berechtigten handle. Ab 1840 und verstärkt nach der Revolution von 1848 änderten die staatlichen Behörden jedoch ihre Auffassung. Sie sahen die Allmenden nun als öffentliches Eigentum der Gemeinden an. Mit ein Grund die-


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