Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 318 / 494

 

Christoph Schurr

Aus der Geschichte der Realgenossenschaft

Die Wälder rings um die Stadt Oberkochen stehen im Besitz der Realgenossenschaft. Die Oberkochener Genossenschaft ist nicht die einzige auf der Ostalb. Weitere große Realgenossenschaften gibt es in Essingen und Unterkochen, etwas kleinere, von ihrer Entstehung her aber vergleichbare Waldgenossenschaften gibt es in Auernheim, Röttingen und Schweindorf. In den übrigen Landesteilen ist diese Waldbesitzform heute dagegen recht selten. Die Realgenossenschaft Oberkochen ist, was ihren 872 ha umfassenden Waldbesitz betrifft, Rechtsnachfolger der früheren Realgemeinde. Realgemeinden sind eine in Ostwürttemberg einst weit verbreitete und traditionsreiche Form dörflichen Gemeinschaftseigentums an Wald und Weiden.

Geht man einige Jahrhunderte in der Geschichte zurück, so zeigte Oberkochen damals den typischen Aufbau eines süddeutschen Bauerndorfes.

Am nächsten am geschlossenen Dorf lagen die Gärten, hier Krautstriche genannt, z.B. in der Schwörz.

Anschließend daran begann die Feldflur, die damals vor allem aus Äckern, viel weniger als heute aus Wiesen, bestand. Gegen die Grenzen der Gemarkung hin schlossen sich schließlich der Wald und die Weiden an. Während die Äcker von jedem Hofbesitzer selbst bestellt wurden, nutzte man Wald und Weiden gemeinschaftlich als Allmende, ohne daß daran individueller Besitz abgetrennt wurde. In Süddeutschland konnten die meisten Dorfgemeinschaften im Mittelalter dieses Allmendland vor dem Zugriff der Grundherrschaften bewahren und in ihrem Besitz erhalten.

So auch in Oberkochen. Die wichtigsten Weideflächen waren der Volkmarsberg und die Heide, die vorwiegend der Schafweide dienten. Die Wälder wurden so vielfältig genutzt, wie wir es uns heute kaum mehr vorstellen können. Man bezog von dort Bau-, Brenn- und Handwerkerholz. Neben der Holznutzung war auch die Waldweide von großer Bedeutung. Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Stallhaltung des Rindviehs eingeführt wurde, wurde alljährlich von Georgi (23.4.) bis Martini (12.11.) eine Gemeindeherde zusammengestellt und in den Wald ausgetrieben. Um 1820 umfaßte diese ca. 400 Stück Rindvieh.

Mit dem Übergang zur Stallfütterung gewann die Streunutzung eine große Bedeutung. Daneben rupfte man im Wald Futtergras für den Winter, schnitt Besenreis und Flechtruten, sammelte Bucheln und Eicheln, Wildobst und Beeren, gewann Steine und Dolomitsand.


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