Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 315 / 494

 

in Oberkochen extensivere Formen der Landnutzung an Umfang zunehmen. Die Wiederverbreitung der Schäferei dagegen ist erwartungsgemäß eingetreten. Die Stadtverwaltung hat bereits seit 1972 wieder einen Schäfer unter Vertrag genommen.

Die Aufforstung sollte in Oberkochen nur noch in Ausnahmefällen zur Stillegung landwirtschaftl. Grenzertragsböden herangezogen werden. In 130 Jahren ist die Waldfläche auf der Gemarkung um über 275 ha durch Aufforstung der Allmendweiden und Öden gewachsen. Mit 71% Waldanteil zählt Oberkochen heute zu den waldreichsten Gemeinden des Landes. Die historisch bedingte hohe Bewaldung entlang des Kocher-Brenztales ist charakteristisch für unsere Ostalblandschaft.

Zu den Besonderheiten dieser Wälder gehört die Besitzform und die Baumartenzusammensetzung. Als kirchliches Erbe fielen dem Staat bei der Säkularisation große Waldflächen zu. Von Natur Buchenwälder, dienten sie der Lieferung von Brennholz und von Holzkohle für die jahrhundertelange Periode der Erzverhüttung. Heute zählen die Wälder der Ostalb dank ihrer Fichten zu den ertragreichsten Forsten des Landes. Die Fichte wurde vor etwa 150 Jahren zunächst aus Verlegenheit angebaut, um die devastierten Weide- und Kohlholzflächen wieder in Bestockung zu bringen.

Inzwischen sind auf der Ostalb etwa 60% der Waldfläche Nadelwälder. In großflächiger Mischung mit Buchenwäldern bestimmen sie das Waldbild der Ostalb. Auf dem Oberkochener Markungsgebiet sind dagegen noch über 70% Buchenwald und nur etwa 30% Fichtenwälder vorhanden. Dies verdanken wir in erster Linie der Realgenossenschaft, dieser eigentümlichen Besitzform, die nur in unserer Gegend verbreitet ist.

1866 wurde die Trennung der Besitzrechte der bürgerlichen von der politischen Gemeinde vollzogen. Die Erben der 93 berechtigten Genossen Oberkochens bewirtschaften seitdem 872 ha Waldfläche gemeinsam. Eine Auflösung ist satzungsgemäß auf alle Zeiten ausgeschlossen. Der Realwald ist seit 1955 in staatl. Bewirtschaftung. Durch natürliche Verjüngungen auf den Hängen und Anbau von Nadelholz auf den geeigneten Hochlagen sollen die derzeitigen noch überwiegend Buchen-Stockausschlagbestände in nutzholzbringende Hochwälder umgebaut werden. Intensiver Wegebau ist die Voraussetzung für die Verwirklichung dieser waldbaulichen Zielsetzung. In der Periode von 1967-1984 wurden ca. 40 km feste Waldwege und fast 50 km Erdwege in den Hanglagen als Maschinenwege gebaut. Die Erschließung ist damit abgeschlossen.

Von geringer Bedeutung ist der Klein-Privatwald — der meist durch Aufforstungen von Randparzellen entstand und nur 40 ha umfaßt.

Seit altersher gehört der Kath. Kirchengemeinde — St. Peter und Paul — der sogenannte »Peterhau«, ein 16 ha großes Waldstück auf dem Langert.

Der Gemeindewald Oberkochens ist durch Aufforstung der Allmenden ent-


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