Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 312 / 494

 

Karl Schurr

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz

Eine Betrachtung zu Oberkochens Natur

»Landbau und Viehzucht bilden die Hauptbeschäftigung der Einwohner«. Dieses Zitat aus der Ortsbeschreibung Oberkochens von 1854 dokumentiert den Wandel, der sich in den letzten 100 Jahren vollzogen hat. Das kleine, knapp 10 ha große Dorf beherbergte 1200 Einwohner in 160 Wohngebäuden. Etwa 90 landwirtschaftliche Betriebe mühten sich um 570 ha parzelliertes Ackerland, 95 ha Wiesen und 282 ha abgelegene Allmendweiden. Fast 2/3 der Markung war Wald, der dem Staat und der Gemeinde gehörte. Die Gemeinde — das waren die mit zahlreichen Nutzungsrechten und Pflichten ausgestatteten alteingesessenen Einwohner.

Die politische Gemeinde besaß weder Kapitalien noch Grundbesitz. Erst im Zuge der rechtlichen Aufteilung des Bürger = Realbesitzes erhielten die Realgenossen den Wald, die politische Gemeinde die Allmend und Schafweiden. Heute, 130 Jahre später, beträgt die Einwohnerzahl knapp 8000, nur noch etwa 38 sind in der Landwirtschaft tätig. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist auf 14 gesunken, alle sind auf Neben- oder Zuerwerb angewiesen. Auch in Oberkochen wird dieser noch relativ oft in der Waldarbeit gefunden. Dieser Beruf hat in Oberkochen alte Tradition. Alljährlich wird noch am 22. Januar das Fest des Heiligen Vinzenz als Patron der Waldarbeiter gefeiert. Die Mehrzahl der Landwirte und deren Söhne arbeiten jedoch in der örtlichen Industrie.

Die landwirtschaftlich benutzte Fläche ist seit 1854 um über 400 ha zurückgegangen. Die eine Hälfte ist der Erweiterung des Ortsetters, die andere Hälfte der Aufforstung zugefallen.

Die ohnedies kritische Ertragslage der landwirtschaftl. Betriebe ist auf den vergleichsweise mageren Standorten des oberen Kochertals durch die Parzellierung (über 980 Flurstücke) und die weiten Entfernungen zu den Feldern zusätzlich erschwert. Ein Flurbereinigungsverfahren wird in absehbarer Zeit nicht in Gang kommen. Zupachtung und freiwilliger Landtausch mildern die Nachteile der Kleinflächen nur teilweise. Zur Aussiedlung sind die meisten Betriebe zu klein.

Die beiden, die rechtzeitig (um 1960) vor die Tore gegangen sind, haben es nicht bereut.


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