Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 31 / 494

 

Die gesamten Funde sind heute im Besitz des Gymnasiums (ständige Ausstellung), dem Bürgermeister Bosch, der sich um diese Ausgrabung sehr verdient gemacht hat, am 8. November 1976 nach der Gebäudekonservierung durch die Stadt die Obhut über den Keller übertragen hat.

Um der während der Ausgrabung häufig geäußerten Vermutung, es handle sich bei dem römischen Gebäude um ein strategisches Bauwerk, entgegenzutreten, soll aus den Fundberichten BW von 1980 zitiert werden, wo Dr. Planck schreibt: »Die Bedeutung dieses Gebäudes ist bisher nicht sicher zu ermitteln. Militärische Bedeutung kommt, trotz der günstigen Lage, meines Erachtens nicht in Frage. Vielmehr möchte ich annehmen, daß hier ein Nebengebäude zu einer Villa Rustica (Gutshof) vorliegt. Gerade verschiedene Funde, etwa Ziegelplatten von Hypokaustanlagen (Fußbodenheizung), sprechen dafür, daß hier noch Gebäude mit Heizungen vorhanden sein müssen, die wir jedoch bisher noch nicht kennen.«

Sollte das Gebäude in einem strategischen Zusammenhang, (z.B. Straßensicherung oder Lichtsignalstation) gestanden haben, so wäre am südlichen Ortsrand, z.B. im Bereich der heutigen Leitzstraße, ein weiteres römisches Bauwerk denkbar, von welchem aus optische Sicht Richtung Königsbronn, gleichzeitig auch zum Römerkeller, von dem aus der Unterkochener Kirchberg in direkter optischer Verbindung liegt, möglich sein muß. Bei dieser kühnen Vermutung handelt es sich selbstverständlich um eine unwissenschaftliche These, die im Bereich reiner Spekulation liegt.

 

Die Alamannen
»Oberkochen« in der Zeit des 6. und 7. nachchristlichen Jahrhunderts.

Ab der Mitte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts wurden die Römer sukzessive von den Germanen vertrieben, d.h. die alamannische Landnahme fand statt. Bei den Alamannen war Holzbauweise heimisch. Deshalb kann fast mit Sicherheit gesagt werden, daß Gebäudereste aus dieser frühen Zeit bis hinein ins 13. Jahrhundert auf unserer Gemarkung, vor allem im heutigen überbauten Stadtgebiet, kaum mehr, oder nur durch Zufall, — am ehesten noch Keller, — gefunden werden.

Hingegen waren im Stadtgebiet seit Jahrzehnten eine Reihe von alamannischen Gräberfunden aus der sogenannten Merowingerzeit bekannt (6. und 7. nachchristliches Jahrhundert). Die Merowinger sind ein fränkisches Königsgeschlecht, das die Alamannen zu diesem Zeitpunkt unterworfen hatte. Man spricht zwar allgemein von »Alamannenfriedhöfen«, — genau genommen müßte von »Merowingerfriedhöfen« gesprochen werden. Indes: die Deutschen verblieben auch unter alliierter Besetzung Deutsche.


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