Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 309 / 494

 

kamen auf den deutschen Namen Hundertgüldenkraut (cent = hundert, aurium = Gold). Aus Hundertgüldenkraut wurde später aufgewertet »Tausendgüldenkraut«.

Das Tausendgüldenkraut, ein Enziangewächs, ist ein bescheidenes Blümchen, kenntlich an den fleischroten, fünfstrahligen Blütensternchen, an gegabelten Trugdolden auf vierkantigen, dünnen Stengeln. Es wächst auf grasigen Waldwegen, ist aber auf unserer Markung selten.

Der berühmte Botaniker Hieronymus Bock schreibt vom Tausendgüldenkraut: »Es ist köstlich innerlich und äußerlich zu gebrauchen. So jemand Gift getrunken hat, der nehme Tausendgüldenkraut, zerstoße es zu Pulver und trinke dieses in Essig. Es zerteilt das Gift.«

In mittelalterlichen Kräuterbüchern lesen wir:
»Es schützt gegen Verzauberung und Blitzschlag und wer davon ein Zweiglein im Geldbeutel trägt, dem geht zeitlebens das Geld nicht aus.«

Im Harzgebirge glaubt man: »Wer in der Walpurgisnacht ein Kränzlein aus Tausendgüldenkraut auf dem Kopf trägt, der kann die Hexen zum Blocksberg reiten sehen.«

Die Naturheilkundigen gebrauchen Tee aus blühendem Tausendgüldenkraut als bewährtes Heilmittel bei Magenbeschwerden heute noch.

 

Die Hecken

Die langen Hecken an der Eßhalde, am Tiersteinhang, im Weingarten, im Wolfertstal, am Kleb, im Rod und am Zwerenberg sind charakteristisch für die Weißjuralandschaft. Sie schmücken die sonnigen Kalkhänge im zeitigen Frühjahr, wenn die schwarzen Schlehdornbüsche und die Wildkirschen blühen, ebenso im Herbst, wenn das Laub der Heckensträucher sich bunt färbt und ihre Früchte reifen.

Die Bedeutung der Hecken erkannte man dort, wo sie bei der Flurbereinigung oder aus anderen Gründen gerodet wurden.

  1. Hecken sind schützender Lebensraum für viele Vogelarten, besonders für Neuntöter und Dorngrasmücken.
     
  2. Im Innern der Hecken leben Igel, Ringelnattern, Spitzmäuse und andere Kleintiere
     
  3. Junghasen, Fasanen und Rebhühner finden unter dornigen Büschen Zuflucht vor ihren Verfolgern, vor Elstern und Greifvögeln.
     
  4. An Weidenkätzchen und an den blühenden Heckensträuchern finden Bienen, Hummeln und Schmetterlinge Nektar und Pollen.
     
  5. Hecken verbessern das Klima, sie schützen das Kulturland gegen kalte austrocknende Winde, im heißen Sommer bieten sie Schatten!

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