Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 307 / 494

 

Ackerunkräuter

Dicht an dicht steht heute im Getreidefeld Halm an Halm. Kaum ein Gräslein, geschweige denn ein Blümlein finden dazwischen noch Platz. Sauber ist der Acker! Der Bauer kann darauf stolz sein und ein guter Hektarertrag wird ihm bei der Ernte seine Mühe lohnen. Durch intensive Bodenbearbeitung, künstliche Düngung und durch eine Unkrautbekämpfung mit chemischen Mitteln ist es ihm gelungen, die vom »Teufel ausgestreuten Unkräuter« zu vernichten. Der Pflanzenfreund aber ist beim Betrachten des gepflegten Getreidefeldes traurig, er vermißt die schönen Ackerblumen:

den Klatschmohn, dessen Blüten so blutrot leuchten, die lieblichen Kornblumen, die selten gewordene rosafarbene Kornrade, den dunkelblauen Feldrittersporn, die kleinen roten Blüten des Blutströpfchens, die roten Schmetterlingsblüten der Erdnußplatterbse.

Am Ackerrand wuchsen früher der Ackerwachtelweizen, die Färberkamille, der Frauenspiegel und mit gelben Löwenmaulblüten das Leinkraut oder Frauenflachs. Leider gehören die blumenbunten Getreideäcker unwiederbringlich der Vergangenheit an.

 

Wiesenblumen

Die blumenreichen Wiesen, die wir früher in den Wochen vor der Heuernte bewundert haben, gibt es nicht mehr. Alle die schönen Wiesenblumen sind zwischen den durch die moderne Landwirtschaft im Wachstum besonders geförderten Futtergräser erstickt. Die bunte Blumenwiese wurde mehr und mehr eintönig grünes Grasfeld.

Es fehlen die weißen Strahlenblüten der Margeriten, die orange leuchtenden Blütensonnen des Wiesenbocksbarts, die roten Köpfchen des Rotklees, die Wiesenflockenblumen und der blaue Wiesenstorchschnabel, am Wiesenrand blüht kein Salbei mehr. Auch die stämmigen, gelb blühenden Grundfesten und die Hahnenfüße sind verschwunden, ebenso die weißen Schirme des Wiesenkerbels und des Bärenklau. Auf feuchten Wiesen hält sich noch der Wiesenknöterich und die Rote Lichtnelke.

An Wiesen- und Wegrändern oder auf weniger intensiv bewirtschafteten Grundstücken können wir die schönen Wiesenblumen noch finden.

Das Kräutlein »Rühr mich nicht an« Impatiens noli-tangere
Dieses Kräutlein, das an schattigen Waldwegen, auf feuchtem, lehmigen Boden wächst, ist eine wilde Balsamine. Die Botaniker nennen es Springkraut. An den 50-60 cm hohen, durchscheinenden, kräftigen Stengeln baumeln in den Sommermonaten an dünnen Fäden die exotisch anmutenden goldgelben, gespornten Blüten, die einer Narrenkappe gleichen. Alte Botaniker vermuteten, das Springkraut sei in der Zeit der Entdeckungen aus fernen


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