Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 301 / 494

 

Die Gesellschaft der Schlagpflanzen

Wo in Wäldern Kahlschläge und Lichtungen entstehen, verursacht von Baustellen für Siedlungen, wie auf der Heide, oder durch den Bau von Straßen oder Hochspannungsleitungen, da stellen sich sofort die Schlagpflanzen ein. Sie keimen in dem rauhen, unkultivierten Boden und versuchen die dem Wald geschlagenen Wunden wieder zu schließen. Sie sind das »Fliegende Feldlazarett des Waldes«. Wie von Geistern gerufen, kommen ihre Samen von weither angeflogen, oder werden von Vögeln in ihren Exkrementen hergetragen. Die Schlagpflanzen verhindern zunächst im Verein mit Gesträuch und Gestrüpp das Austrocknen des Bodens und leisten so Pionierarbeit für eine Wiederbewaldung.

Zur Gesellschaft der Schlagpflanzen gehören:
Das Schmalblättrige Weidenröschen oder Stauden-Feuerkraut, ein rotleuchtender Schmuck der Lichtungen, das Echte Johanniskraut, das Waldgreiskraut, das Fuchsgreiskraut, der Gemeine Dosten, der Wasiserdosten oder Kunigundenkraut, viele Distelarten von der gemeinen Ackerdistel und der Sumpfkratzdistel bis zur Distelkönigin, der schönen Wollköpfigen.

Auch die hohen kantigen Büsche der Tollkirsche stellen sich auf Kahlschlägen ein. Ihre glänzend schwarzen Beeren sind sehr giftig, werden aber von Drosseln und Fasanen gefressen. Die zwei bis drei Meter hohe Königskerze oder Wetterkerze, wie die Tollkirsche eine Heilpflanze, überragt das Gewirr der Schlagpflanzen wie eine Königin. Hell leuchten die radförmigen Blüten ihrer Blütenähre. Diese darf an Maria Himmelfahrt in keinem Weihbüschel fehlen.

 

Die Pflanzengemeinschaft des Schluchtwaldes

Der Schluchtwald hat wenig Sonneneinstrahlung, der Boden ist stets feucht. Es wachsen dort Pflanzen, die den Schatten lieben:

1. Der Aronstab
Man findet die interessante Pflanze außer in Schluchtwäldern auch in schattigen Hecken. Schon im April sprießen die großen, pfeilförmigen, saftgrünen Grundblätter. Später erscheinen die hasenohrförmigen grün-weißlichen Hüllblätter der Blüte, die die inneren Blütenteile schützen. Aus dem Blütenstand ragt ein keulenförmiger Kolben, dessen Aasgeruch kleine Fliegen anlockt. Diese werden im Innern des Blütenstands gefangen gehalten, bis sie diese bestäubt haben. Erst dann können sie wieder in die Freiheit entweichen. Der Blütenstand des Aronstabs ist eine Fliegenkesselfalle. Aus dem bestäubten Blütenstand entwickelt sich eine aufrechte Traube korallenroter, giftiger Beeren, die Ende Juli reifen. Der in allen Teilen giftige Aronstab spielte früher in der Heilkunde eine Rolle und wurde im Volksglauben als Orakelpflanze befragt.


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