Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 293 / 494

 

Gottlob Braun

Pflanzen unserer Markung

Auf dem kalkreichen Boden unserer Markung wächst eine artenreiche, bunt-farbige Flora mit vielen seltenen Blumengestalten. Nur auf den Feuerstein-Lehmböden, aus denen der Kalk vollständig ausgelaugt ist, finden wir auch kalkmeidende Pflanzen, die sonst nur auf den Sandböden der Keuperberge und des Schwarzwaldes vorkommen, z.B. den Roten Fingerhut, Heidelbeerstauden, Heidekraut, Besenginster, Bärlapp und das Seegras. Feuerstein-Lehmböden gibt es in den Wäldern auf der Hochfläche des Rodsteins und im Kahlenbühl.

Das landwirtschaftlich ungenutzte Ödland an den sonnigen Talhängen mit seinen steinigen Trockenrasen schmückt im Sommer ein herrlicher Blumenflor mit geschützten Pflanzen, die hier noch nicht durch Bodenbearbeitung und Düngegift gefährdet sind. Auf einem botanischen Streifzug durch das Vegetationsjahr wollen wir nun die Pflanzen unserer Heimat kennenlernen:

 

Boten des nahenden Frühlings

Schon Ende Februar und Anfang März blüht am Waldrand häufig der Seidelbast oder Kellerhals. Seine stark duftenden rosaroten Fliederblüten erscheinen vor den Blättern. Aus den Blüten entwickeln sich am holzigen Zweig scharlachrote, giftige Beeren, die aber von Drosseln und Rotkehlchen gefressen werden. Am sonnigen Buchenhang an der Eßhalde und an anderen Orten blüht schon im Dezember und Januar mit grünen, rotgeränderten Blütenglöckchen die Stinkende Nieswurz, eine Verwandte der Christrose.

An sonnigen Südhängen drängen sich durch das braune Buchenlaub, das den Waldboden bedeckt, die blauen Blütensterne der Leberblümchen oder Märzenblümchen. Im schattigen Schluchtwald blüht jetzt auch der Hohle Lerchensporn mit eigenartigen duftenden roten und weißen Blütentrauben. Jetzt finden die Kinder an Waldwegen das Lungenkraut mit roten und blauen Schlüsselblumenblüten, sie nennen es »ungleiche Schwestern« oder »Hänsel und Gretel«.

Noch im unbelaubten Buchenwald blühen mit weißen Blütensternen über zart gefiederten Blättern die Buschwindröschen oder Anemonen, im Volksmund nennt man sie »Schnaikättera«. Die gelbe Anemone, die zu gleicher Zeit blüht, finden wir in schattigen, feuchten Waldteilen.

Auch die Frühlingsplatterbse blüht jetzt allerdings nur auf Kalkböden. Sie ist


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