Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 292 / 494

 

Nach zum Teil recht mühsamen Grabungen im Eingangsbereich gelangte man schlagartig in einen ca. 20 m langen Höhlengang. Hier verzweigte sich das Hohlraumsystem, und weitere, mit Einschwemmlehm erfüllte Gangstrecken konnten in schwierigen Grabarbeiten erkundet werden. Der Aufwand sollte sich lohnen: ein Durchbruch verlängerte die Höhle auf 85 m Hauptgangstrecke. Die Höhlengänge und -hallen erlaubten nun überwiegend ein aufrechtes Gehen, an einigen Stellen erreicht die Ganghöhe sogar 7 m. 1977 und 1978 wurden die weiteren Erkundungsarbeiten einer Stuttgarter Höhlenforschergemeinschaft übertragen, welche die Höhle bis auf eine Länge von 123 m aufschloß. Man entdeckte in den entfernten Höhlenteilen einen kleinen Höhlenbach und zwei prachtvolle Höhlenseen mit sehr reichen Tropfsteinvorkommen. Im Herbst 79 untersuchten Oberkochener Schüler und Erwachsene die Höhle auf ihre Fortsetzungsmöglichkeiten, wobei ein bedeutender Seitengang entdeckt wurde. Die Gangstrecken der Brunnenhöhle sind durch einen ehemaligen größeren Höhlenbach geschaffen worden, der die Klüfte in den dicken Weißjura-delta-Kalkbänken korrosiv aufweitete. An den Kluftkreuzen konnten Hallen und hohe Kamine entstehen, letztere mit zum Teil sehr formenreichem, flächenhaftem Wandsinter.

Der Haupthöhlengang weist mehrere Strömungsmarken und -kolke auf, an zwei Stellen teilt er sich in einen Ober- und einen Untergang. Die Höhlenwände sind in den vorderen Höhlenabschnitten teilweise sehr bizarr und scharfkantig auskorrodiert, während in den berginneren Bereichen öfters starke, meist noch aktive Übersinterungen im Gange sind. Eine Besonderheit stellen hier auch lehmanteilige Sinterbahnen dar, die einmalige farbliche Wandtropfsteineffekte hervorrufen.

Die Gesamtlänge der Höhle beträgt zur Zeit 145 m, sie ist damit die längste Höhle des Landkreises und mit ihren reichen Sinter- und Tropfsteinvorkommen eine der prachtvollsten der gesamten Ostalb. Die Brunnenhöhle ist inzwischen Naturdenkmal; zwei »teuflische« Engstellen in der Höhle und ein Tor schützen sie vor unerlaubten Besuchern. Die Höhlen-InGO, der auch Mitglieder der Brunnenhöhlen-Erkundungsmannschaft angehören, wird jedoch weitere Forschungen in der Höhle vornehmen, zumal das Gesamthöhlensystem eine Länge von über 200 Metern erwarten läßt. Da in der Brunnenhöhle der Höhlenbach in ca. 20 m tiefen Kluftspalten verschwindet, ist auch unter dem bekannten Höhlenverlauf ein weiteres Hohlraumsystem zu vermuten. Im Niveau dieses unteren, nicht bekannten Höhlensystems, befinden sich am Berghang eine kleine Quelle, sowie zwei größere Quelltuffvorkommen, die sich kegelartig vor der Quelle durch Absetzen des im Höhlensystem gelösten Kalkes aufbauen konnten. Die Größe dieser Ausfüllungskalk-Vorkommen lassen sogar ein beträchtliches unterirdisches System erwarten.

Dr. Hans-Joachim Bayer aus: Ostalb-Einhorn, Heft 26. Juni 1980


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