Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 29 / 494

 

Nach mehreren Wochen Arbeit im Herbst 1971 hatten wir, wie zahlreiche Funde und das Mauerwerk des Gebäudes selbst bewiesen, den Keller eines aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert stammenden römischen Bauwerks, Teil einer »villa rustica«, also eines römischen Gutshofes, zu dem mit Sicherheit noch im Gelände verborgene Nebengebäude gehören, freigelegt.

Parallel dazu stöberte der Verfasser in den ihm von der Stadtverwaltung zugänglich gemachten, bislang unbeachtet gebliebenen Archivunterlagen, wobei er auf allerlei diesbezüglich höchst interessante Hinweise stieß. So vermutete schon der legendäre Oberlehrer Alfons Mager aufgrund der Flurbezeichnung »Weilfeld« in dieser Flur etwas »Römisches«. Später wurde bekannt, daß auch dem LDA Hinweise auf ein »römisches Weilfeld« vorlagen (Ableitung »weil« und »weiler« vom römischen »villa«). Auch Dr. Ingo Stork vom LDA hält in diesem Fall die Ableitung der Silbe »weil« aus dem römischen Wort »villa« = Stadt, Ort oder Gebäude (»villa rustica« = Gutshof) für denkbar, obwohl Weilerorte bei uns im allgemeinen erst nach 700 gegründet sind. Aus diesem Grund ist auch eine eventuelle Besiedelungskontinuität zur Zeit nicht greifbar.

Dr. Dieter Planck (LDA) schreibt in seinem Buch »Der Limes in Südwestdeutschland«, das 1980 erschien, ... »An den äußeren obergermanisch-rätischen Limes wurden, soweit sich bisher ersehen läßt, die Truppen vom Neckar-Odenwald- und Alblimes vorverlegt... Schon unmittelbar nach ihrer Errichtung (Grenzbefestigungen) mußte zwischen 162 und 170 nach Christus diese Grenze Angriffen der Chatten (westgermanischer Volksstamm) standhalten.... Aber schon 233 n. Chr. erschütterten erneute Unruhen im Osten das römische Weltreich..... Einige Bauwerke wurden auf jeden Fall endgültig aufgegeben, z.B. zeigten die Grabungen im Limestor von Dalkingen, daß dieses Gebäude ausgebrannt ist und nicht mehr erneuert wurde ...«

Ähnlich mag es unserem »Römerkeller« ergangen sein, — d.h., die römische Anlage im Weilfeld fiel mit größter Sicherheit den Germaneneinfällen um die Mitte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts zum Opfer. Die Ruine wurde später beseitigt, die Steine vermutlich zum Bau von Häusern in »Oberkochen« verwendet und der Keller mit Schutt aufgefüllt, um darüber Ackerboden zu gewinnen.

In den Fundberichten des LDA (FB 1980 Bd.5) wird das Gebäude, dessen Zweck (strategisch oder wirtschaftlich) aus dem archäologischen Zusammenhang isoliert ohne weitere Grabungen nicht geklärt werden kann, von seiner Entstehung her in die 2. Hälfte des 2. nachchristlichen Jahrhunderts (Antoninus Pius?) datiert, — d.h. es stand ungefähr 70-80 Jahre lang.

Zu den Funden.
Reich verzierte terra-sigillata-Scherben, Hunderte von Keramikscherben einfacherer römischer Herkunft, ein wundervoll erhaltener römischer Sicherheitsschlüssel, wohl der Schlüssel zum Gebäude — ein Paradeexemplar, das


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