Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 285 / 494

 

Heidenheimer Höhlenforscher Walter Schreiber am 29. Juni 1930 mit zwei Kletterseilen in die Tiefe gelassen. Bei diesen Arbeiten sackte der oben durch 8 Höhlenforscher belastete Rost um 20 bis 30 cm in die Tiefe, blieb dort aber wieder stecken — eine haarsträubende Vorstellung. Über das Höhlenende teilt Schreiber mit: »Unten angelangt, konstatiere ich, daß wohl noch ein Kamin weiter abwärts geht, aber durch kreuz und quer liegende Hölzer und Steine ganz verstopft ist. Jetzt aber war ich an dem tiefsten Punkt angekommen, wie ich an der mitgeführten Meßschnur feststellen konnte. Sie zeigte seit meinem Einstieg 53,5 Meter.«

Im Höhlenbuch desselben Karl Müller befindet sich unter dem Datum vom 16. Oktober 1949, genau eine Woche vor der Wollenlochkatastrophe, folgender Eintrag: » ... der WCO (Wollenlochclub Oberkochen) ist bis heute nicht viel tiefer eingedrungen als wir im Jahr 1930 ausgemessen haben ... Ein tieferes Vordringen ist wahrscheinlich ...« Die Hauptaktiven des Wollenlochclubs in den späten vierziger- und frühen fünfziger-Jahren waren: Der Leiter J.P. Fischer (PX), Theo Burek, Helmut Hahn, Otto Späth, Horst Thom , Rudolf Werner, Georg Weng, Helmut Höllein u.a. Einer Dokumentation zum 25jährigen Gründungsjubiläum der Touristenvereinigung »Die Naturfreunde e.V.« (Jubiläumsschrift 4./5. Juni 1976), die aus dem Wollenlochclub hervorging, ist zu entnehmen, daß der Wollenlochclub ab 1949 bis in eine Tiefe von 62 Meter vorgedrungen ist.

Der Wollenlochclub hatte einen Motorwindenaufzug konstruiert, an dem ein ca. 1 cbm fassender Behälter hing, und systematisch Schutt aus dem Wollenloch gefördert. Die oben erwähnte Befahrung vom 16.10.1949 hatte mittels dieser Förderanlage stattgefunden. Ungefähr 500 Personen waren bis zum Unglückstag befördert worden.

In einem Bericht der Aalener Volkszeitung vom 15. Juli 1977 ist das Unglück fast 30 Jahre, nachdem es sich ereignet hatte, wie folgt beschrieben:

»... So kam der Unglückstag, der 23. Oktober 1949, heran, an dem etwa 20 Personen einfuhren. Es war 17.30 Uhr, als der letzte Besucher ausfahren wollte. Beim Haltezeichen mit der Klingel versagte diese aus irgendeinem Grunde. Der Schrei »Halt« konnte nicht verhindern, daß der Haken von der Rolle erfaßt, umgedreht und der Schraubenschaft abgeschert wurde, und so der Förderkorb mit dem unglücklichen Karl Wolf (Königsbronn) in die Tiefe stürzte. Durch Abseilen mit einem anderen Seil schaffte man den Unglücklichen herauf; er hatte den Sturz mit dem Leben bezahlen müssen. Wahrscheinlich wurden auf behördliche Anordnung weitere Untersuchungen untersagt, das Betreten des Wollenlochs wurde durch Abschrankungen gesichert.«

Eine von Bürgermeister Bosch abgegebene Erklärung im Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« der Gemeinde Oberkochen mit Datum vom 26. Juli 1954 mit dem Titel »Sicherheit am Wollenloch« bestätigt dies, wenn auch einem Artikel von J.P. Fischer (PX) aus dem Jahr 1953 (Amtsblatt BuG) zu entnehmen


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]