Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 284 / 494

 

lenberg entstand erst mit der Schafzucht auf dem Berg, wobei die im Gebüsch hängengebliebene Schafwolle namensgebend gewirkt haben könnte, unter Umständen unterstützt durch eine Konsonantenverschiebung.

Und nun zur nachweisbaren Geschichte. Erstmalige Erwähnung fand das Wollenloch bis jetzt 1824 durch Schübler in den Württembergischen Jahrbüchern für vaterländische Geschichte, Statistik und Topographie. Dort heißt es: »Das Wollenloch, eine halbe Stunde von Oberkochen auf dem Aalbuch ist schwer zugänglich, indem man sich an Seilen hinablassen muß; es soll schönen stänglichen Kalkspat enthalten.«

In der ersten Flurkarte von 1830 (Urkarte) ist das Wollenloch noch nicht eingetragen — es wurde gegen 1840 jedoch mit roter Farbe nachgetragen. Schon in der Beschreibung des Oberamts Aalen vom Jahr 1854 heißt es über das Wollenloch, das zu zwei Dritteln nach Oberkochen und zu einem Drittel nach Essingen gehört: »Das Rollen hinabgeworfener Steine beweist die große Tiefe des ohne Zweifel mit inneren Höhlen in Verbindung stehenden Loches. Ein schon versuchtes Befahren vom Menschen aber (am Seil) wurde durch die Decke unmöglich gemacht, welche in einiger Tiefe hinuntergefallenes Holz, Äste, usw. gebildet haben.«

Erst 1898 (Blätter des Schwäbischen Albvereins Nr. 9) gelang es Zimmermeister Ernst und dem SAV-Vertrauensmann von Aalen am 25. Juni tiefer in das Loch einzudringen, indem man die »Decke« zum Absturz brachte: »... nachdem dann noch einer der Hauptträger zum Wanken und Fallen gebracht werden konnte, stürzte plötzlich die ganze übrige Masse unter fürchterlichem Krachen und Poltern in die Tiefe, einen solch starken Luftwirbel nach sich ziehend, daß dem nun im Loch frei Hängenden für einen Moment Hören und Sehen verging. Die Oberkochener verglichen das Krachen mit dem Getöse beim Einsturz eines großen Gebäudes ...«

Prof. Eberhard Fraas, der bekannte Direktor des Königlich Württembergischen Naturalien-Kabinetts in Stuttgart, der sich auch der Höhlenforschung annahm, stellte im Anschluß an eine Befahrung im selben Jahr 1898 fest: »... hienach wird die Erforschung des Wollenlochs für abgeschlossen erachtet. Wurde auch kein seitlicher Zugang von der Thalseite in diese senkrechte, nicht unbedeutende Höhle entdeckt, so ist nun doch das geheimnisvolle Dunkel des Wollenlochs einigermaßen gelichtet, wenn ihm auch ein gewisser Nimbus dadurch genommen worden ist...« E. Fraas fertigte auch eine Planskizze des Wollenlochs, die sich in einer Kopie aus dem Jahr 1898 im Besitz des Staatlichen Forstamts Oberkochen befindet.

Dann hörte man 30 Jahre lang nichts vom Wollenloch. Erst wieder dem Höhlentagebuch des TV-Naturfreundes Karl Müller, Heidenheim, aus dem Jahr 1930 ist zu entnehmen, daß sich im Wollenlochtrichterhals bis zu diesem Zeitpunkt eine neue Decke aus Astwerk, hier als »Rost« bezeichnet, gebildet hatte, wiederum in ca. 15 Meter Tiefe. Durch diesen Rost hindurch wurde der


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]