Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 278 / 494

 

Das Gebiet von Oberkochen befindet sich im Bereich des Seichten Karstes, d.h., die Sohlschichten liegen über der Vorflut, also über der Talsohle. Königsbronn gehört schon in die Zone des Tiefen Karstes, und zwar in seine »Äußere Zone«. Hier liegt die Hauptsohlschicht ein paar Meter unter der Vorflut, typisch sind dann sogenannte Quelltöpfe; es erfolgt hier ein Selbstaufstau der Quelle, um auf ein talgerechtes Abfließniveau zu kommen. Am Brenztopf wurde dieser Aufstau noch durch Menschenhand erhöht.

Ein ursächlicher Zusammenhang besteht zwischen den unterirdischen Wasserfließrichtungen und der Tektonik, d.h. der Bruchbeanspruchung des Gebirges. Die Entstehung und Öffnung von Klüften und Spalten des Jurafelses erfolgte nach den physikalischen Gesetzen der Gebirgsmechanik. Eine systematische Kluftanalyse kann daher auch der Erfassung der Fließwege dienen. Für den Albtrauf zwischen Heubach und Wasseralfingen, entlang einer tektonischen Großstörung, des »Schwäbischen Lineamentes«, ist dies bereits 1948 durch E. SEIBOLD erfolgt. Unser südlich daran anschließendes Gebiet wurde vom Verfasser im Jahre 1978 bearbeitet.

Die besten Trinkwassergewinnungsorte sind die tiefgründigen Taleinfüllungsschotter der ehem. Ur-Brenz im heutigen Kocher Brenz-Durchbruchstal. Das Tal des Kochers wurde seit der Kreidezeit, also der Zeit einer frühen Gewässernetzausbildung, von Norden nach Süden von der »Ur-Brenz«, die etwa in der Künzelsauer Gegend entsprang, durchflossen. Erst im jüngeren Tertiär, als der Rheintalgraben einbrach und der Aufstieg der Alpen erfolgte, begann das schrittweise Zurückdrängen der südwärts fließenden Gewässer durch die rheinisch gewandten, mit stärkerem Gefälle, d.h., erhöhter Abtragungskraft strömenden Zubringer. Merkmale des alten Systems sind die heute widersinnig dem Kocher zufließenden Nebenflüsse wie Lein, Bühler oder Rot; sie münden alle spitzwinkelig-antithetisch in den Kocher ein. Weiterhin kennt man aus dem Brenztal große alte Flußschlingen und Umlaufberge sowie Flußschotter- und -sandvorkommen der Ur-Brenz, die heute als Hochterrassenschotter (Quarzgerölle und -sande) auf dem Zahnberg und in/bei Ochsenberg angetroffen werden können. Vom Miozän bis ins Jung-Pleistozän wechselten aufgrund epirogener Krustenbewegungen Eintiefung und darauffolgende Zuschüttung des Ur-Brenztales einander ab. Bis heute — die Wasserscheide verlagerte sich inzwischen durch das Hereinnagen des Kochers in den Albkörper etwa auf die Höhe des Hirschburren zwischen Oberkochen und Königsbronn — geblieben sind dann die jungpleistozänen, bis 50 m mächtigen Fein- bis Grobkies und sandige Lehm- und Tonlagen enthaltenden Talfüllungen beim Seegartenhof. Das Selbstfiltervermögen dieser Taleinfüllungen ist erheblich, eine hohe und konstante Wasserspeicherung ist gegeben, so daß die Stadt Aalen seit der Erforschung durch Dr. WEIDENBACH mitten in einem schwierigen Karstgebiet über einen hervorragenden Wasserlieferanten verfügt. Die Taleinfüllungen keilen vom Seegartenhof nach Norden gesehen


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