Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 277 / 494

 

in immer größer werdenden Kluftbahnen sammelt, um an den durch Erosion gebildeten Talflanken, den An- bzw. Einschnittflächen der Albtafel, als Schichtquelle auszufließen. Im Kapitel »Quellenverhältnisse« schreibt Prof. Dr. O. Fraas in seinen Erläuterungen zum Geognostischen Atlasblatt Aalen 1871: »Den Mittelpunkt bildet der Kocher, (...), im Munde des Volkes »der Koche«. Seinen eigentlichen Ursprung nimmt der Fluß am östlichen Fuß des Albuchs in einer Bergnische, die sich das Wasser selbst im Laufe der Jahre gebildet, 498,6 Meter ü.d.Meer. Klares, durchsichtiges Wasser, durch das man auf den dunklen Grund des Flußbettes niedersieht, drückt sich zwischen herabgestürzten Felsblöcken aus Klüften des untern Beta auf der Grenze zu den Alphathonen aus der Bergwand. Die Quelle heißt der Schwarze Kocher. Hundert Schritte vom Ursprung steht ein Wohngebäude, die »Schlackenwäsche«, der Rest eines vor Zeiten hier gestandenen Hüttenwerks, das im 30jährigen Krieg einging, tausend Schritte weiter unten eine Mühle, und dann der freundliche, solid gebaute Marktflecken Oberkochen. Gleich unterhalb des Dorfes münden neue Quellen, die aus dem Wolfertsthale kommen und bei 512,4 Meter gleichfalls auf der Grenze von alpha/beta entspringen.« Die letztgenannten Quellen entspringen, wie man heute weiß, etwas höher, also noch im Beta. Die Quelle des Katzenbaches, des Ölweihers und des Baches im Weilfeld sind jedoch echte Schichtquellen. Das Eichertbrünnele im Gewann Lache, der Hubertusbrunnen im Tiefen Tal und die Brunnenquelle an der Brunnenhalde sind Schichtgrenzquellen zwischen den Aptychenmergeln (gamma) und den Quaderkalken (delta). Dieses oberste Karstwasserstockwerk war in pleistozänen Zeiten aktiv, wie es größere, nachweislich wasserdurchflossene Klufthöhlensysteme wie die Brunnenhöhle beweisen. Mit dem Tiefereinschneiden der dem Rhein zugewandten Flüsse in den nördlichen Albrandkörper wurde auch das beta-alpha Niveau angeschnitten. Die Hauptwasserführung verlagerte sich, auch aufgrund der Einzugsgebietsveränderungen, auf die tiefere Sohlschicht. So kam es, daß das obere Stockwerk nur noch einen Überlaufcharakter hat, d.h., nach starken Regenfällen kommt es aufgrund der starken Verkarstung in den Kalkschichten der oberen Zone bei einer gleichzeitigen Aufspeicherung im jüngeren, noch engklüftigen unteren Stockwerk zu einer Entlastungsinbetriebnahme des oberen Systems. Seine Quellen erhalten damit den Charakter von Hungerbrunnenquellen, die jedoch wegen ihrer geringen Kluftausflußöffnungen (da delta 1 bzw. oberster gamma!) über ein gewisses Rückspeichervermögen verfügen (keine stark schwankende Wasserführung!). Einen echten Hungerbrunnen besitzt dagegen das Wolfertstal nahe dem Lothringerkreuz; sein Ursprung liegt in den mittleren beta-Kalken. In großen Trockenzeiten bleibt er aus, da sich der Kluftwasserspiegel senkt und die Quellschüttung erfolgt dann auf einem Niveau in den unteren beta-Kalken, unweit über den Impressamergeln, d.h. auch weiter vorne im Tal.


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