Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 276 / 494

 

bodengruppe angehören. Die Trockentalfüllungen sind kalksplittführende abgeschwemmte Lehme der Hochflächen. Zwischen ihnen und den Auenlehmen am Kocher bestehen deutliche Qualitätsunterschiede, die allein z.B. schon von der Durchfeuchtung herrühren (Grundwassersituation!).

Die steinigen Kalkverwitterungslehme (Terra fusca) sind ortsfest entstandene, relativ kalkreiche Lehme der Hangkanten und der anschließenden Flachhänge. Auf den Hochflächen sind sie besonders auf den Liegenden Bankkalken (zeta 1) anzutreffen. An den fast ausschließlich buchenbestandenen Hängen sind diese dunkelbraunen Walderden vom Weißjura beta-epsilon bzw. auf den Massenkalken zugegen. Die Mächtigkeit ist gering; schon nach wenigen Dezimetern steht der klüftige Kalk an. An vielen neuerbauten Waldwegen (z.B. am Langert) sind diese Bodenprofile in hervorragender Weise einzusehen.

Die Feuersteinlehme der Hochflächen gliedern sich nach Prof. Dr. S. Müller, dem »Vater« der forstlichen Standortskartierung, in drei, auch verschieden alte Bodenuntergruppen. Die Feuersteinlehme sind nach S. MÜLLER tertiäre Reliktböden der Weißjuraverwitterung, die dann im Eiszeitalter, als hier »tundrenähnliche, vegetationslose Kältesteppen« mit Dauerfrostböden herrschten, in den kurzen Sommern, die als Tauperioden dienten: in Solifluktion (Bodenfließen) gerieten; man spricht von einer sogenannten »periglazialen Verlagerung«.

Die Feuerstein-Rotlehme sind sehr mächtige, wasserstauende, wahrscheinlich alttertiäre Lehme mit gelben und ziegelroten Tonen. Diese versauerten Böden sind beliebte Heidelbeerstandorte.

Die Feuerstein-Ockerlehme, die weite ebene Flächen einnehmen, sind durchlässig, rotbraun bis ockerfarben, in den Oberschichten schluffig, in den unteren dagegen schorfig-feinerdig. Auch sie sind tertiären Alters. Feuerstein-Schlufflehme mit ihrem scharfkantigen Feuersteinsplitt sind diluvial (eiszeitlich) transportierte Wanderschuttdecken, die oft nur geringe Schluff (= Ton — Feinstsand)-zonen als Zwischenmittel in den feuersteinscherbenreichen Horizonten enthalten sind.

 

Zur Hydrogeologie und Tektonik

An verschiedenen Stellen dieser Abhandlung wurde schon auf die Bedeutung der Kalk-Mergel-Wechselfolgen für die Wasserführung und -gewinnung in dieser Karstlandschaft hingewiesen. Die Schichtgrenzen zwischen Weißjura alpha und beta und Weißjura gamma und delta bezeichnet man als Sohlschichten bzw. Stauhorizonte. Das durch den klüftigen Kalk gesickerte Niederschlagswasser erreicht an den Mergeloberkanten jeweils seine Eindringgrenzen und es fließt dem Schichtengefälle entsprechend als Kluftwasser, das sich


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