Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 260 / 494

 

Karl Schurr

Grenzsteine — Zeugen der Vergangenheit

Die großen Wälder rund um Oberkochen enthalten einen besonderen Schatz und zahlreiche Kleinode, von denen hier nur mit aller Zurückhaltung berichtet werden soll.

Es sind dies die zahlreichen, meist sehr kunstvoll und bildhaft gestalteten Grenzsteine, die im Schutz der Wälder auf unsere Tage überkommen sind und hoffentlich auch noch recht lange der Nachwelt erhalten bleiben.

Viele dieser Steine sind allein schon wegen der meisterhaften Steinmetzarbeit besonders wertvoll.

Was sie unersetzlich macht, ist die historische Bedeutung, sind sie doch steinerne Zeugen der Besitzverhältnisse und politischen Zustände früherer Jahrhunderte.

Als Gemarkungs- und Besitzgrenzen sind sie noch heute von wichtiger rechtlicher Bedeutung. Sie umgürten gewissermaßen das Hoheitsgebiet von Oberkochen. Innerhalb der Gemarkung bezeichnen sie noch heute geltende Grenzen zwischen verschiedenen Besitzern. Wenn durch Tausch oder Kauf eine Arrondierung eingetreten ist, sollen in den Wäldern die Steine erhalten bleiben, denn sie sind ein Dokument früherer Besitzverhältnisse.

Neben den zahlreichen Grenzsteinen treten die wenigen Gedenksteine innerhalb der Gemarkung völlig zurück, sie sind alle neueren Datums und zwar historisch interessant, aber selten künstlerisch wertvoll.

Umrunden wir die Gemarkungsgrenze Oberkochens im Uhrzeigersinn von Nordost über Süden, Westen und Norden, so folgen wir zunächst über dem Stefansweiler der gemeinsamen Markungsgrenze mit Unterkochen.

Die Grenzsteine dort zeigen auf beiden Seiten zunächst die symbolische Pflugschar — das Zeichen der Bauernschaft. Hier grenzen die Realgenossenschaften von Unterkochen und Oberkochen aneinander. Manchmal sind UK oder OK, meist in ungelenken Schriftzügen, in die harten Weißjurasteine eingemeißelt.

Entlang des Zwerenbergs zieht sich die Markungsgrenze zwischen Staatswald und Realgenossenschaft Oberkochen hin. Der Staatswald war früher im Besitz der Ellwanger Fürstprobstei. Die Grenzsteine tragen deshalb auf Unterkochener Seite noch die Mitra des Fürstprobstes. Manchmal ist nach 1806 eine Hirschstange nachträglich eingemeißelt worden, als das Württ. Königreich Rechtsnachfolger der Fürstpröbste wurde.

Ein sehr schöner Stein steht im Sauteich am Zusammenstoß der Unterkochener, Ebnater und Oberkochener Gemarkung.


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