Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 26 / 494

 

... »Besonders zu erwähnen sind noch einige Scherben, die nicht in diesen zeitlichen (also römischen, (D.B.)) Horizont passen. Eine Wandscherbe (eines keramischen Gefäßes, (D.B.)) mit Kammstrichverzierung, das Randstück einer Schale mit einziehendem Rand und ein Spinnwirtel sind vermutlich laténe-zeitlich und deuten darauf hin, daß hier möglicherweise eine Siedlung dieser Zeit vorliegt«. Diese letzte Feststellung von Dr. Planck ist für Oberkochen und seine Gemarkung geradezu sensationell: möglicherweise vor den Römern eine keltische Siedlung im Weilfeld?

An dieser Stelle sei ein kleiner Abstecher ins Mittelalter erlaubt: Nach unterschiedlichen Quellen ist hier im Weilfeld tatsächlich ein alter Weiler (Erklärung »weiler« siehe im nächsten Abschnitt unter »Römerkeller«) »abgegangen«. Vieles deutet auf den Namen »Stefansweiler« hin. In dem 4-bändigen Werk »Das Königreich Württemberg« von 1906 steht hinter »Stefansweiler Mühle«: »Der Weiler Stefansweiler im 30jährigen Krieg abgegangen«. Das Stefansweiler Feld ist die unmittelbar an das Weilfeld angrenzende Flur. Im Heimatbuch Unterkochen dagegen ist zu lesen: »Stefansweiler: dieser war 1385 unbewohnt und 1405 völlig verwüstet«. Denkbar wäre auch »Zwerenberg«. Geschichtlich belegbar ist im Weilfeld somit zumindest eine, wenngleich nicht kontinuierlich nachweisbare, Besiedelung von der keltisch-vorchristlichen Zeit an über ca. 2000 Jahre hinweg; — das römische Gebäude im Weilfeld ist in dieser Besiedelungsabfolge ein wichtiges Bindeglied. Zurück zu den Kelten der La-Téne-Zeit.

Aus den verschiedensten Gründen kann den Dr. Planckschen Spekulationen, und wenn sie für die Aufhellung der Geschichte unserer Gemarkung noch so interessant sind, (eine Luftaufnahme der Firma Carl Zeiss vom 1.10.64 bestätigt luftarchäologisch, daß hier »was los ist«), nicht nachgegangen werden:

  1. Das geschichtsträchtige Gelände liegt im Wasserschutzbereich der Stadt Aalen — einem aus heutiger Sicht unglücklichen privaten Wasserrechts-Verkauf Oberkochener Grundstücksbesitzer an die Stadt Aalen zufolge. (Sumpfwiesen, seinerzeitiger Quadratmeterpreis eine Mark — Vertragsjahr 1898)
     
  2. Das LDA ist mit Notgrabungen dermaßen überlastet, daß keine »normalen« Grabungen durchgeführt werden können. (Die Grabung in der Frühlingstraße im Jahr 1980 »Alamannenfriedhof« lief, da hier geschichtlicher Boden überbaut wurde, z.B. als eine solche Notgrabung.)
     
  3. Das Im-Boden-Belassen von archäologischem Gut ist dessen beste Konservierung. (LDA)
     
  4. Die Grabungsmethoden und damit die Grabungsergebnisse werden laufend verbessert. Hiervon konnte sich in eindrucksvoller Weise überzeugen, wer im Herbst des vergangenen Jahres 1985 die Ausstellung »Der Keltenfürst von Hochdorf« in Stuttgart gesehen hat.
     
  5. Die Generationen nach uns wollen auch noch etwas zum Graben haben.

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