Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 248 / 494

 

Judenangst (55) erinnert an eine erst vor knapp 100 Jahren vorgekommene Geschichte. Ein Lauchheimer Viehhändler hatte in Oberkochen zwei Stiere gekauft. Unterwegs Richtung Ebnat rissen die Tiere aus. Wochen später veranstaltete man eine Treibjagd auf die wilden Viecher. Als sie plötzlich auftauchten, sei ihr Besitzer in panischer Angst auf eine Buche geklettert und kam erst wieder herunter, als die Tiere mausetot erschossen waren. Oberförster Weiger, Forstmeister in Oberkochen von 1892-1909, gab der Abteilung den beziehungsreichen Namen.

Ochsentrieb (56) ist die Nachbarabteilung — ihr Name ist älter. Früher sollen hier oft Streitereien über die Weiderechte zwischen Oberkochener und Ochsenberger Hirten ausgetragen worden sein.

Die Riesen (57) sind ebenfalls frühere Weideflächen gewesen. Der Waldwuchs in den Riesen gehört zum Besten, was auf der Alb anzutreffen ist.

Die Gemeinderiesen (60) waren ehemalige Mähder — Sommerweiden, die noch heute, jetzt als schöner Hochwald in zweiter Generation, der Gemeinde Oberkochen als Enklave inmitten des Staatswaldes und unmittelbar an der Königsbronner Markungsgrenze gehören.

Hirschburren (68) erinnert an eine flachgründige Geländehöhe und an den einstmals vorhandenen Rothirschbestand, ähnlich wie Fuchsbau (71). Kiesbühl (69), Kiesrucken (70) — die Böden sind von mächtigen Feuersteinkies- und Schotterdecken überdeckt. Ein idealer Waldboden.

Zollhalde (73), Zollhaukopf (72) sind wie der Zollacker (29) wohl eine Erinnerung an die uralte Grenze, die hier kurz vor der Wasserscheide das Ellwangische und das Württembergische voneinander trennte.

Pulverturm (74) — der Felskopf oberhalb der Zolläcker hat seinen relativ jungen Namen von einem Pulvermagazin, das für den dort vorhandenen Steinbruch notwendig war. Auf dem Pulverturm sind noch Wall und Graben erkennbar — Zeichen einer früheren befestigten (Beobachtungs-)Station?

Josenhalde (75) erinnert wohl an einen früheren Besitzer Joos, wie manch andere Waldstücke ist sie durch Kauf Staatswald geworden. (z.B. Jörglesmand = Schmidjörglesmand im Hagental).

2 b) Waldflurnamen
Westliche Gemarkung (Albuchseite)
Westlich der Bahnlinie und des Kocher-Brenztals jenseits der Unterkochener Gemarkungsgrenze heißen die Fluren Stefansweiler, Fähnlesberg und Daffang. Hier beginnen die großen Waldungen des Albuch — die sich über den Langert bis weit hinauf nach Bartholomä erstrecken. Die Markungsnachbarn Oberkochens sind Unterkochen, Aalen, Essingen und Königsbronn.

Folgen wir der Markungsgrenze von NO nach NW, so finden wir zunächst vier Namen größerer Gebiete: Kleeb (1), Thierstein (2), Heide (3) und den Oberkochener Teil des Langert (4).


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